Lasst mich alle in Ruhe…

…ich muss arbeiten.

Am besten in einem Starbucks, mitten im Gewühl. Auf einem der hohen Hocker, an einem Tisch direkt am Fenster, mit einer Steckdose in Reichweite meines Laptop-Ladekabels. Hinter mir hört die meterlange Schlange von Leuten auf, die auf einen sündhaft teuren Kaffee in Weihnachtsoptik warten, alle 15, 20 Minuten wechseln die Paare, die mit Muffins und Frappuchino oder seinesgleichen die Plätze neben mir einnehmen. Durch das Fenster sehe ich die Menschen, die, weihnachts- oder glühweintrunken, vor dem Dom umherlaufen, mit blinkenden Rentiergeweihen und rot-weißen Mützen auf den Köpfen.

Es ist verdammt kalt hier, ohne Mütze und Handschuhe geht nichts – ich bin noch das angenehme Küstenklima Frankreichs gewöhnt und habe nur Stoffschuhe mitgebracht, jedes Mal, wenn ich irgendwelche Gebäude verlasse, fange ich an, von oben bis unten zu frieren. Blöderweise muss man ja aus dem Haus, um auf den Weihnachtsmarkt zu gehen und sich dort gegenseitig mit Poffertjes-Puderzucker vollpusten zu können.

Eigentlich sollte ich ja auch keine Zeit auf Weihnachtsmärkten verschwenden, darum sitze ich jetzt hier, in der Filiale einer standardisierten, amerikanischen Kaffee-Kette. Alles ist voller Menschen, alle reden, aber bei mir kommt nichts an. Den Kopf auf die Hände gestützt starre ich auf den Bildschirm, blättere ein-, zweimal pro Minute weiter und versuche, südostasiatische Geschichte und amerikanische Gesetzgebung in meinen Kopf zu zwingen.

Draußen ist Weihnachten, aber ich habe Kopfhörer auf und konzentriere mich teils auf den Text vor mir, teils auf den Beat. Irgendetwas, in dem man gut versinken kann.

Lasst mich alle in Ruhe, ich muss arbeiten. Noch drei Tage, dann ist alles vorbei.

Die Vorweihnachtszeit allerdings auch.

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