Author Archives: whitey_chan

Dezembergebloggt: Auf der Suche nach Norden

Geografisch:
Auf einem Debattierworkshop in Guangzhou.
Flughäfen.
Räume, in denen Klausuren geschrieben wurden.
Debattierweltmeisterschaften in Malaysia.
Steckengeblieben im Beijinger Verkehr.

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Literarisch:
Bending Adversity” (sehr empfehlenswert, wenn man Dinge über Japan lernen möchte.)
The Three Body Problem” (chinesische Science Fiction, to be blogged about.)

Filmisch:
Twin Peaks!

Kulinarisch:
Endlich wieder Burger.
KFC zum Frühstück (Dinge, die passieren, wenn man in China Debattieren unterrichtet).
Dim Sum-Festmahl.
Hot Pot – bestes Winteressen.
Perverse Frühstücksbuffets.

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Musikalisch:
Halestorm – ich kann es nicht erklären, aber es passte.
Billy Talent (sagt zumindest last.fm – ich erinnere mich an nichts).
Alte Unheilig-Lieder, nach der Lektüre dieses wunderbaren Zerrisesses ihrer neuen Musik.
Affiance – “We are mad as hell and we’re not gonna take it anymore!”
Miyavi.

Journalistisch:
Dinge im Teehaus – über einen alten Militärflughafen, Unis in China, Äpfel für Verliebte und Weihnachten im Ausland.
Weihnachts-FOW zu chinesischer Sprache und Schrift und warum das keine Piktogramme sind.
Ein Abschieds-FOW – Update zu OccupyHK, kurz bevor es geräumt wurde.

Gelernt:
Dinge über mich selbst. Und andere Menschen, die mir wichtig sind.
Wie schwierig es ist, in China Debattieren zu unterrichten.
Hamlet und die Göttliche Komödie auf Chinesisch zu interpretieren.
Schon nach einem Jahr stört einen das mit diesem Weihnachten im Ausland nicht mehr.
In chinesischen Clubs gibt es Früchteplatten für 100€ und nein, der Geschmack rechtfertig den Preis nicht.
Dim Sum rockt (das wusste ich auch vorher schon, aber ich wollte es nur nochmal festhalten).
Schwierige Entscheidungen sind schwierig.
Es rockt, mexikanisches Essen Chinese-style zu essen.
Warum mein Handy in Japan 2012 nicht funktionierte.
Wie viele Partygäste zu viel für unsere Wohnung sind.
Wie man eine Stunde Debattierunterricht aus dem Ärmel schüttelt.

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Neue Pläne:
Besser debattieren (mehr lesen).
Nach Indien fliegen.
Tibet bereisen – den Teil, für den man kein Visum braucht.
Mehr Chinesisch lesen.
Dinge mit Audio machen.
Alles in allem – ein besserer Mensch sein. So nach und nach.
Ein Economist-Abo abschließen.

November – Standing still is (still) hard

Geografisch:
Beijing (zwischendurch).
Auf einem Debattierturnier in Hong Kong.
Bei Occupy Central in Admiralty, Mong Kok, Causeway Bay und einem Zelt.
In diversen Zwischenklausuren.
Bei der Präsentation eines chinesischen Smartphones.
Auf einem Debattierturnier in Taipei.
Auf einem Treffen mit tollen Menschen in Tokio.
Feiern in Shibuya.
Im Regen in Asakusa.
Beim Bier mit verschiedensten Menschen, die ich lange nicht gesehen habe.
Im Zug von Hong Kong nach Beijing.

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Literarisch:
Die ersten 40% von “Bending Adversity”.
Das Kapitel zum antiken Griechenland in einem chinesischen Literaturlehrbuch.
“The Talented Mr. Ripley”.

Filmisch:
“Qu’est-ce qu’on a fait, bon dieu?”

Kulinarisch:
Das beste Sweet and Sour Pork Hong Kongs.
Nudelsuppe mit Bacon!
Taiwanesische Frühstückspfannkuchen mit Bacon.
Hähnchenburger mit Honigsenf – und Bacon.
Ramen.
Veganes, japanisches Bento.
Japanischer Pflaumenwein, heiß.
Sake, heiß.
Japanisches Bier, kalt.
Taiwanesisches Bier, kalt.

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Musikalisch:
Halestorm (Reisemusik).
Stromae für seine wunderbarem Texte.
Nightwisch – Nostalgie.
Affiance.

Journalistisch:
Meine Eindrücke aus Hong Kong – more to come.
Ein VICE-Style FOW über Hong Kong.
(Occupy) Hong Kong in Bildern.
Dinge über chinesische Smartphone.
Fernostwärts über APEC und chinesische Wettergötter.

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Gelernt:
Wie der Transferbereich am Hong Konger Flughafen aussieht und wo es dort Strom gibt.
Warum es eine schlechte Idee ist, einen Doktor in Geschichte machen zu wollen.
Wie man in den Phillipinen datet.
Überhaupt Dinge über die Phillipinen.
Ich war einfach viel zu lange nicht mehr in Tokio.
Je teurer das Restaurant, desto unangemessener ist es, Bilder vom Essen zu machen, aber desto mehr möchte man es eigentlich – allein für die Portionen, die aus nichts als drei Stücken Gemüse bestehen.
Dinge über Theater in China, Deutschland und Österreich.
Dinge über’s Debattieren und Jurorieren. Und wie es sich anfühlt, zwei Teams beim Turnier ausscheiden zu lassen.

Neue Pläne:
Weihnachtsbesuch kriegen.
Zum ersten Mal Debattieren lehren.
Einen Weihnachtsbaum kaufen.
Ein indisches Visum bekommen.
Weiter fleißig jede Woche dreimal bloggen.
Jeden Tag eine andere Tasse Tee – bis Weihnachten.
Irgendwann mal nach Wien.

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September & Oktober – Ankommen (In Wort und Bild)

Geografisch:
Im Hostel.
Zuhause. Zum ersten Mal seit Mai wieder eine eigene Wohnung.
Tsinghua University (THU), größte Campusuni Chinas.
Auf einem Debattierturnier, einem Punkkonzert und einem Elektrofestival
In der verbotenen Stadt.
Im alten und im neuen Sommerpalast.
In Beijings Hutongs.

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Literarisch:
Erste Seiten in “Bending Adversity”, bevor mein Kindle kaputt ging.
Anton Checkov, selected short stories.
F. Scott Fitzgerald, “This Side of Paradise” (ich liebe seinen Schreibstil noch genauso wie bei Gatsby).

Filmisch:
Neue Doctor Who-Folgen, Qualität variierend.
Neuer Masters of Sex-Folgen.
“Team America – The World Police” (weil man den immer wieder sehen kann).
Ein paar Steampunk/SciFi Shorts.

Kulinarisch:
All things Chinese.
Gezogene Nudeln.
Gebratener Reis.
Gedämpfte Teigtaschen.
Frischgegrillte Dinge.
Frittiertes – alles Mögliche.

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Musikalisch:
Mongolischer Folk Metal, live und mit Moshpit.
Endlich mal wieder in ASP reingenerdet.
The Pretty Reckless – Erinnerungen an verregnete Herbsttage in der Unibib.
Tocotronic, live und in Farbe.
Livepunk am Ende der Welt mit Bier und betrunkenen Punks.

Journalistisch:
Dinge zu Postprivacy.
Dinge über offene Daten und was man mit denen alles machen kann.
Dinge zu jungen Chinesen, die ihre Heimat lieber verlassen – kurz- und langfristig.
Ob es ein “deutsches Wiedervereinigungsmodell” gibt und warum man das nicht so einfach auf Korea übertragen kann.
Endlich mal diesen Podcast – Fernostwärts.
Verbloggt: Google Kundenservice-Fail und meine Meinung zur Tor-Debatte.
Seit dem 1.10. mindestens dreimal pro Woche für die NZZ beim “Teehaus”.

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Gelernt:
Wie sehr man sich in Menschen täuschen kann.
Einiges über Korruption in China, aber scheinbar immer noch nicht genug.
Luftverschmutzung tut in der Lunge weh.
Podcasten geht auch ohne fancy Equipment und das Feedback ist trotzdem gut (solange ein iPhone kein fancy Equipment ist).
An Inspektionstagen gibt es keinen gebratenen Reis.
Chinesische Unibürokratie ist vielleicht noch schlimmer als die französische – und das will schon etwas heißen.
Wo es in der Nähe unserer Wohnung gutes Streetfood gibt.
Wie verrückt manche Menschen in meinem Leben tatsächlich sind.
Es gibt Leute, die wissenschaftlich zur Ästhetik von Porn-GIFs in chinesischen Messengern forschen.
Mongolischer Folkmetal inklusive Throatsinging rockt.
Der alte Sommerpalast sieht ein bisschen aus, wie man sich Griechenland vorstellt.
Beijing hat durchaus auch Tage mit blauem Himmel und sehr schönem Wetter.

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Neue Pläne:
Hong Kong.
Tokyo.
Chinesisch lernen.
Mehr debattieren.

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Wie falsch wir die Welt wahrnehmen

Ich bin gestern über Twitter auf eine spannender Statistik im Guardian (hier das Original) gestoßen, in der u.a. der tatsächliche Anteil von Immigranten in der Bevölkerung mit dem Prozentsatz vergleichen wird, auf den Teilnehmer einer Umfrage ihn schätzen. Ich fand es leider nicht weiter überraschend, dass der gefühlte Anteil teils bis zu um den Faktor 3 danebenlag – das deckt sich mit meinem Eindruck der Einstellung in Deutschland und Frankreich und dem, was ich aus verschiedenen anderen Ländern gehört habe.

Mein Umzug nach China vor zwei Monaten und die letzten zwei Jahre in Frankreich haben für mich da eine noch ein Frage zu den zugrundeliegenden Daten aufgeworfen: Was genau ist hier die Definition eines “Immigranten”?

Gerade hier in China beruht die Einordnung einer Person als Ausländer, Chinese oder etwas dazwischen extrem auf seinem Aussehen – wer weiß ist, kann noch so gut Chinesisch sprechen und noch so viele Jahre in China gelebt haben, im ersten Moment wird man immer für einen unwissenden Ausländer gehalten, der anstatt Chinesisch auf jeden Fall Englisch spricht und alleine nicht klarkommen wird. Ich habe den Eindruck, dass mit asiatischen Ausländern (v.a. Koreaner und Japaner) anders umgegangen wird (sie sind z.B. tendeziell nicht gemeint, wenn jemand “waiguoren”, also “Ausländer” sagt), aber das ist nur meine subjektive Meinung.

In China so exklusiv auf meinem Aussehen basierend in eine vorgefertigte Kategorie gesteckt zu werden, war eine ziemlich beängstigende Erfahrung. Und ich fragte mich dadurch auch zum ersten Mal, ob es sich in Deutschland oder Frankreich genauso extrem anfühlt, wenn man irgendwie “anders” aussieht. Und wenn ja, wie weit es geht. In China zieht es sich durch alle Interaktionen mit Chinesen, die mich nicht näher kennen – selbst, nachdem man auf Chinesisch bestellt hat, wird davon ausgegangen, dass man nicht einmal den Preis einer Tüte Äpfel oder von zwei Briefmarken verstehen wird.

Wahrnehmung von Menschen zu messen ist natürlich immer schwierig, und ich will die Unwissenheit, die in der Umfrage zutage tritt, keineswegs verteidigen. Ich finde es aber wichtig, zu bedenken, dass hier gegebenenfalls von zwei verschiedenen Kategorien die Rede ist: Ist zum Beispiel jemand, dessen Großeltern aus dem Senegal nach Frankreich kamen, der aber dort aufwuchs und sozialisiert wurde, ein Immigrant? Das ist letztendlich Definitionssache. Mein französischer Mitbewohner, mit dem ich über die Umfrage gesprochen habe, und ich würden beide sagen, dass er Franzose ist, aber es gibt sicher viele Leute, die uns da widersprechen würden.

Gleichzeitig würde ich davon ausgehen, dass er prinzipiell als Ausländer oder Immigrant wahrgenommen wird. Cues wie makelloses Französisch oder französische Sozialisierung (was immer das ist) sind nichts, was Menschen auf den ersten Blick wahrnehmen. Als ob Wahrnehmung nicht ohnehin schon subjektiv genug wäre, würden die Prozentsätze von wahrgenommenem und tatsächlichem Immigrantenanteil in der Bevölkerung eines Landes also wohl selbst dann auseinanderklaffen, wenn man die Leute eine Weile lang Passanten zählen und in die oder andere Kategorie einordnen ließe.

Letztendlich läuft es also nicht nur auf eine verzerrte Wahrnehmung der Wirklichkeit hinaus, sondern vermutlich auch darauf, dass wir es immer noch viel zu sehr vom Äußeren eines Menschen abhängig machen, in welche Kategorie wir ihn stecken. Das ist jetzt erstmal nur eine Vermutung, ich fände es aber spannend, wenn man sich diesen Aspekt mit der Umfrage im Hinterkopf auch einmal anschauen würde. Mich würde dabei interessieren, wie stark es vom Aussehen eines Menschen abhängt, dass er/sie als Ausländer wahrgenommen wird und inwieweit das je nach angenommenem Herkunftsland variiert, zum Beispiel Naher Osten vs. Asien.

Eine andere spannende Fragestellung zu so einer Recherche wäre, inwieweit sich Immigrationsländer von anderen Ländern unterscheiden – auch die USA kommen in der Guardian-Umfrage vor, aber wer wird dort als Ausländer wahrgenommen? POCs, ABCs (American born Chinese), Mexikaner? Letztendlich haben dort schließlich alle Wurzeln im Ausland.

Gut möglich, dass es so etwas schon gibt – bei einer ersten Suche bei Google Scholar und Google habe ich nichts gefunden, aber ich würde mich über Literaturhinweise freuen!

Wir können das Problem nicht wegignorieren

Auf die Gefahr hin, eine Debatte aufzugreifen, die eigentlich schon vorbei ist, wollte ich auch noch einmal meine Meinung zu der Tor-Anonymisierungsdienst-Sache aufschreiben, nachdem ich mit Niels auf Twitter darüber diskutiert und ihm eine längere Antwort versprochen hatte (und weil es, um @ningwie zu zitieren “zu viele Tweets und zu wenig Blogposts” zu (je)dem Thema gibt).

Meine Meinung habe ich mir gebildet, nachdem ich bisherige Beiträge zum Thema gelesen habe, angefangen mit @leitmediums Beitrag “Darf man Anonymisierungsdienste kritisieren?” und dem Folgetext “Für ein ‘Recht’ auf Schutz vor Anonymität“. Auf der Gegenseite haben sich ‘John F. Nebel’ beim Metronaut (“Da freut sich der Salamitaktiker“) und Frank Rieger in “Anonymisierungsdienste und asoziales Verhalten” geäußert.

Dazu gab es noch paar andere Texte, besonders hervorheben würde ich aber gerne den von Niels, denn in “Sollte Tor erklären, wie man sich davor schützt?” ist er, soweit ich das sehe, der Einzige der leitmedium-Kritiker, der sich tatsächlich der eigentlichen Frage widmet und keinen Strohmann attackiert.

Was bisher geschah

Soweit ich @leitmedium verstehe, beschäftigt er sich mit der gleichen Frage wie Niels: Ob Tor Informationen dazu bereitstellen sollte, wie man sich vor ihrem eigenen Dienst schützen kann. @leitmedium meint: ja. Denn “es gibt kein Recht, Menschen anonym erreichen zu können“.

Auch bei genauem Lesen der beiden Gegentexte habe ich keine wirklichen Argumente gegen diese These gefunden. Franks Text liest sich vor allem als Argument gegen ein allgemeines Torverbot, was mit @leitmediums These wenig zu tun hat. Am Ende seines Textes schreibt er allerdings etwas Interessantes: “Es steht jedem frei, sich seine eigenen Foren im Netz zu schaffen, mit seinen eigenen Regeln und Ansprüchen. Ein Recht darauf, jedem Anderen in seinen digitalen Vorgarten zu pinkeln, gibt es jedoch nicht.

Für mich hört sich das so, als hätte er in diesem konkreten Fall die gleiche Meinung wie @leitmedium: Dass man sich seine eigenen Foren schaffen können sollte, wenn man von der ganzen Hatespeech im Internet die Nase vollhat. Oder eben Filtersouveränität (siehe mspro).

Der Text beim Metronaut ist eine Sache für sich, doch nach Wegschneiden aller FBI-Vergleiche ist die Grundaussage, dass die Kritik an Anonymisierungsdiensten von der wesentlichen Debatte um Sicherheit durch Anonymisierung ablenkt: “Die Hater-Debatte […] hat eine technische Seite, in der es darum geht, dieses Verhalten technisch zu unterbinden. Hierzu gibt es schöne Vorschläge, die eben nicht die digitale Selbstverteidigung von Grundrechten gegenüber dem Staat, in Misskredit bringen.”

Dann gibt es noch Niels, der sich der gleichen Frage wie @leitmedium widmet und fragt, wer die Verantwortung für den Schutz vor Dingen wie Stalking via Tor tragen sollte. Seine Antwort: Nicht Tor. Sein Argument: Tor würde damit seinen Gegnern (BND- und CDU-Mitgliedern) politische Munition für ein komplettes Verbot des Dienstes liefern. Stattdessen schlägt er vor, dass es eine unabhängige Stelle geben sollte, die über entsprechende Tools informiert, mit denen sich z.B. Opfer von Stalking schützen könnten.

Was geschehen sollte

Niels’ Argument, dass Tor Gegnern durch eine Bereitstellung von Informationen zum Schutz vor anonymen Kommentaren Gegnern politische Munition liefern würde, halte ich für falsch. Meiner Meinung nach stimmt das Gegenteil: Tor würde sich viel eher in die Schusslinie begeben, wenn es sich dieser Verantwortung entzieht. Eine unabhängige Stelle, die Nutzer über mögliche Tools informiert, um sich vor anonymem Mails oder Kommentaren zu schützen, würde weder das Problem noch entsprechende Tools verschwinden lassen. Vielmehr würde die Entität, die zugibt, dass es dieses Problem gibt, nicht Tor, sondern jemand anderes sein – um Tor zu schützen.

Auf den ersten Blick wirkt das plausibel, ich sehe jedoch zwei wichtige Gründe, die dagegen sprechen: Sobald anerkannt wird, dass es Probleme wie Hatespeech oder Stalking via Tor gibt, oder das Problem zumindest auf den Tisch kommt und Tor nach einer Meinung gefragt wird, müssen sie so oder so Stellung beziehen. Sie können schlecht darauf verweisen, dass das jemand anders schon für sie gemacht und ihre Verantwortung übernommen hat.

Das Argument, das ich für wesentlich schwerwiegender halte, ist, dass Tor durch ein Statement und Infos auf seiner eigenen Seite die Debatte “framen” und seine eigene Sicht auf die Dinge klar darstellen kann, anstatt das Thema krampfhaft zu vermeiden. Das könnte zum Beispiel so aussehen (ich bin keine PR-Expertin, ist nur eine Idee):

“Wir sind uns der Tatsache bewusst, dass Tor von einigen Individuen auch für Ziele wie Stalking oder Hatespeech genutzt wird, die wir absolut nicht unterstützen, und so auch polizeiliche Ermittlungen in diesen Fällen erschwert. Wir stellen uns ganz klar gegen derartiges Verhalten und möchten den Opfern gern eine Möglichkeit geben, sich davor zu schützen. Deswegen können sich Betroffene hier Tool xyz runterladen, mit dem sie via Tor versendete Kommentare bei WordPress unterbinden können, und hier Tool abc für Mail Clients E, F, G und H, das über Anonymisierungsdienste gesendete Mails direkt in den Spamordner verschiebt. Wir möchten damit ein klares Statement abgeben, dass wir die Verwendung Tors für diese Zwecke nicht gutheißen und Opfern eine Möglichkeit bieten möchten, sich vor dieser kleinen Gruppe von Tor-Nutzern zu schützen.”

Ich habe auch die Kritik gehört, dass Tor selber durch das Bereitstellen solcher Tools selber dem Blocken des Dienstes durch nicht-demokratische Regierungen Vorschub leisten würde. Das Abstellen von über Anonymisierungsdienste geschriebenen Edits für die Wikipedia und Ähnliches kriegen autoritäre Regierungen allerdings auch sehr gut alleine hin, wie der Fall Chinas zeigt. Soweit ich das sehe, ist das Blocken anonymisierter Emails oder Kommentare in WordPress-Blogs bei der Stalkingproblematik weithaus relevanter. Und so weit, dass nur anonymisierte Kommentare in einem Blog oder anonyme Emails in meinem Postfach die Pressefreiheit retten, sind wir meines Erachtens nicht. Wenn ich Niels richtig verstehe, scheint es diese Tools ohnehin schon zu geben. Ohne generalisieren zu wollen, würde ich mal tippen, das zensierende Regierungen diese ohnehin finden – im Gegensatz zu Stalkingopfern, denen ein klarer Hinweis auf Tors Seite schnell helfen könnte.

Gleichzeitig könnte Tor sich mit einem klaren Statement aus der Schussbahn von Kritikern bewegen, denn den Standpunkt, dass man dazu in der Lage sein sollte, sich gegen Stalker zu wehren, kann wohl nicht einmal die CDU kritisieren.

Auch das Argument, dass Täter schlicht auf andere Dienste ausweichen würden, zieht nicht – andersherum könnte man argumentieren, dass auch der digitale Aufrüstungswettkampf zwischen Internetnutzern und der chinesischen Regierung nutzlos wäre, da die neue Tools nach einer gewissen Zeit meist blockt (nach aktuellem Stand übrigens auch Tor). Ich bin gespannt, wer dieses Statement unterschreiben würde.

Dann ist da noch das eine Argument im Kriegsrethorik-Text beim Metronaut, dass die Debatte vom Wesentlichen ablenken würde und wir uns lieber mit der Überwachung durch die NSA beschäftigen sollten. Wenn es die Tools, mit denen man sich vor anonymisiert geschriebenen Kommentaren und Mails schützen kann, ohnehin schon gibt, müsste Tor sie nur auf seine Seite stellen (das ginge auch schneller, als die Einrichtung einer unabhängigen Informationsstelle, die man vielleicht danach nebenher in Angriff nehmen könnte) und schon könnten wir uns wieder dem Wesentlichen widmen – ob das nun der Schutz vor Massenüberwachung oder eine soziale Lösung des Haterproblems ist.

Caveat zum Abschluss

Auch wenn man sich in diesem konkreten Fall auf eine Antwort auf die Frage nach der Verantwortung für den Schutz von Stalkingopfern etc. einigen sollte, ändert das nichts an der Tatsache, dass Anonymisierungsdienste nicht nur für den Erhalt der Pressefreiheit und Schutz von Whistleblowern genutzt werden. Selbst wenn Nutzer mit anderen Intentionen unter 1% aller Tor-Nutzer ausmachen, halte ich es für wichtig, zumindest ernsthaft über das Thema zu reden, wenn so beispielsweise Ermittlungen in Fällen von Stalking oder Drohungen erschwert werden.

Für mich ist das Problem allerdings noch etwas abstrakter: Einerseits misstrauen viele Netzaktivisten der Polizei mit ihren persönliche Informationen (oft nicht ohne Grund), andererseits sind andere Menschen, auch in diesem Internet, auf die Polizeit angewiesen, um sie zu schützen. Beide Sichtweisen und Bedenken haben ihre Daseinsberechtigung, doch die Frage, wie wir damit umgehen, bleibt offen. Ein Problembewusstsein für diese Dichotomie wäre aber auf jeden Fall schon einmal ein erster Schritt in Richtung Lösung. Ich finde diese Diskussion selber schwierig und würde niemals behaupten, irgendwelche perfekten Antworten zu haben oder für eine Sperrung von Tor wie hier in China stimmen.

Doch sobald die Nutzung eines Tools auch Menschen zu Schaden kommen lässt, ist es zynisch, diese Tatsache mit dem Argument, man habe Wichtigeres zu tun, einfach zu ignorieren. Es erinnert mich an eine Argumentation, die ich in Beijing letztes Wochenende auf einem Debattierturnier öfters zu hören bekam – dass man das Glück Einzelner eben manchmal übergehen müsse, um sich stattdessen auf das Wohl der gesamten Gesellschaft zu konzentrieren. Ist das wirklich eine Argumentation, die sich die Fraktion “Verteidiger der Demokratie via Tor” auf die Fahnen schreiben möchte?

Und überhaupt: Wer Zeit hat, Strohmänner-attackierende Repliken zu schreiben, kann schlecht behaupten, dass für eine solche Debatte neben dem Kampf gegen Massenüberwachung die Zeit fehle. In dem Fall hätte es auch ein höfliches “Ich erkenne das Problem, habe aber andere Prioritäten” getan.

Globalisierungsfail bei Google – ein Trauerspiel

Aufmerksame Leser dieses Blogs haben vermutlich mitbekommen, dass ich nach zwei Jahren in Frankreich nach einem kurzen Abstecher nach Deutschland, Taiwan und Südkorea jetzt nach China gezogen bin. Wenn sie mir auch noch auf Twitter folgten, haben sie vielleicht auch gelesen, dass mir kurz vor meinem Abflug mein Handy kaputtgegangen ist und ich mich in dem Zuge mehrmals über Google aufregte. Hier jetzt noch einmal mit etwas Abstand die Geschichte, wie ich mich bei Googles deutschem Kundendienst unbeliebt machte.
Der Hintergrund:

Ich hatte mir Mitte September 2013 bei Google ein Nexus 4 gekauft, als es im Vorhinein der Veröffentlichung für das 5er massiv reduziert worden war. Da ich zu dem Zeitpunkt schon wieder für meine Uni zurück in Frankreich war, kaufte ich es der Einfachheit halber beim französischen Playstore und ließ es an meine französische Adresse in Le Havre schicken. Die Lieferung erfolgte unheimlich schnell und ich war absolut zufrieden mit dem Telefon.

Ende Mai 2014 war mein Studium in Frankreich zuende: ich löste mein Konto auf, kündigte Internet- und Telefonvertrag und zog aus meiner Wohnung aus. Genau das Gleiche taten übrigens auch alle meine Kommilitonen, die im gleichen Jahrgang sind – es ist Standard bei unserem Programm, dass wir nach zwei Jahren in Frankreich für ein Jahr ins nicht-französische Ausland gehen. So war ich ab Anfang Juni wieder in Deutschland – bis zum 6. August, als mein Flug nach Taiwan ging. Genau eine Woche vorher ging dann mein Nexus 4 endgültig kaputt. Der Eingang für das Mikro-USB-Kabel funktionierte nicht mehr, weder konnte ich das Handy laden noch es an meinen Laptop anschließen, um Daten (Burgerfotos) zu retten.

Und damit begann das Trauerspiel in mehreren Akten, Telefonanrufen und Emails:

Erster Anruf beim Google Kundenservice: Ja klar falle das noch unter die Garantie, aber das Telefon nach China zu schicken sei absolut unmöglich. Und Deutschland? Auch vollkommen unmöglich. Das Nexus sei gar nicht in ihrem System, weil ich es in Frankreich gekauft habe, ich müsste es also in Frankreich umtauschen und es könne dann auch nur an eine französische Adresse geschickt werden. Ob ich da denn gar keine Adresse mehr hätte? (das Wort “umgezogen” scheinen sie anders zu interpretieren als ich). Nein? Na dann tue es ihnen Leid.
Zweiter Anruf bei Google: Nach längerem Durchkauen der gleichen Antworten wie zuvor und mehreren längeren Beratungen mit den anderen Kundendienstmitarbeitern heißt es ja, man könne doch wohl irgendwie die Garantie von Frankreich auf Deutschland umschreiben. Das Telefon würde dann an eine Adresse in Deutschland geschickt (glücklicherweise würde ein Freund von mir aus Bremen Anfang September ohnehin in Beijing vorbeischauen – ich plane, es einfach an ihn schicken lassen).

Nach wenigen Stunden erhalte ich einen Austauschlink zum Bestellen des neuen Nexus 4 – der führt allerdings in den französischen Playstore und will das Telefon auch nur nach Frankreich schicken. Also nochmal hin- und hergemailt und Google angerufen, bis die Antwort kommt, dass es nun an die Fachabteilung zur Änderung der Garantie weitergeleitet worden sei (was auch immer das ist).

Das alles passiert am 29., 30. und 31. Juli.

Sprung in die Zukunft: 15. August. Ich bin in Taiwan und der Freund, der mich in Beijing besuchen und in wenigen Tagen seinen Flug nehmen soll, hat immer noch kein Telefon bekommen. Also rufe ich zum mittlerweile vierten oder fünften Mal bei Google an, nachdem auf eine Mail auch nach drei Tagen keine Antwort kommt. Mittlerweile kennt man dort meinen Namen.

Inhalt des Gesprächs: Ja, ähm, der Kollege, der den Fall betreut, sei seit einer Woche krank, deswegen blieben meine Nachfragen unbeantwortet. Ein Hinweis auf den Zeitdruck wird mit einer Entschuldigung beantwortet, auf die Frage, ob die Garantie denn nun auf Deutschland umgeschrieben sei, erfolgt ein verbales Achselzucken. Das sei eine andere Abteilung, die kenne man nicht, mit denen arbeite man nicht zusammen und denen laufe man auch nicht über den Weg. Keine Möglichkeit, rauszufinden, was Stand der Dinge ist? Nein, keine.

Entnervtes Auflegen, gefolgt von mehr Emailverkehr. Ich erfahre von einem Kommilitonen (meinem zukünftigen Mitbewohner in Beijing), dass er gerade für eine Woche in Paris ist und beglücke Google letztendlich doch mit einer französischen Adresse, an die es mein Austauschgerät schicken kann. Das geschieht auch innerhalb weniger Tage – ich halte mein Austauschgerät zwei Wochen später, am 30.8., in Beijing i
n den Händen.
Und Google wagt es tatsächlich, mir eine Umfrage zu meiner Zufriedenheit mit ihrem Kundenservice zu schicken.

Generell können die Mitarbeiter des Kundendienstes natürlich nichts dafür, dass Google es nicht vorgesehen hat, dass Leute von einem Land ins andere ziehen – so ein Fall ist im System schlicht nicht vorgesehen und produziert nur Errormeldungen. Ich will allerdings nicht wissen, wie lange ich auf mein Austauschgerät gewartet hätte, wenn ich auf die Umschreibung der Garantie auf den deutschen Playstore in dieser ominösen anderen Abteilung gewartet hätte – vermutlich war das Code für “room with a moose” bzw. “in der Versenkung verschwinden lassen”.

Es ist aber doch faszinierend, dass das ausgerechnet Google passiert, das von der Globalisierung nun durchaus nicht unberührt ist.

 

August – Reisezeit

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Geografisch:N_mlich.
Berlin (altes Zuhause).
Hamburger Flughafen.
Dubai (bei Nacht).
Taipei (<3).
Seoul.
Im Tempel.
Beijing (neues Zuhause).

Literarisch:
“Transparent Society” von David Brin in Ausschnitten.

Filmisch:
“Good Will Hunting”
“Soshite Chichi ni Naru” (sehr gut.)
“Cross” (sehr strange)

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Kulinarisch
Abschiedsburger.
Fruchtshakes in Taiwan (Mango, Avocado, Apfel-Banana <3).
Taiwanesische Frühstücksburger.
Bestes Bibimbap und Korean Barbecue in Korea.
Tempelessen.
Gebratenen Reis mit geschmolzenem Käse.
Koreanische Frühstückstoasts.
Endlich wieder Baozi, endlich wieder Xiaolongbao.
Mapodoufu.
Endlich wieder Jianbing.
(I could go on.)

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Musikalisch:
Liveguitarrenmusik auf dem Dach über Taipei.
Stromae (Obsession: “Tous les mêmes”).
Ed Sheeran (Neues Album ist ok, aber nur “Don’t” gefällt wirklich.)
Samsas Traum (Antwort auf “Wie überlebt man 20 Stunden Flug?”)
:wumpscut: (eventuell Neuentdeckung des Monats)
Soundtrack von “Only Lovers Left Alive” (für das Apocalypse-Feeling in Taipei).
Rise Against (Black Market ist nett, aber richtig gepackt hat es mich nicht).
Sookee (rauf und runter).

Journalistisch:
Nichts. Urlaubszeit.

Gelernt:
Wie es ist, bei Emirates Business Class zu fliegen.
Avocado-Milchshakes sind möglicherweise die Zukunft.
Ich habe mich, wirklich und ganz ernsthaft, in Taiwan verliebt.
Der schönste Ort in tropischen Nächten ist ein Dach mitten in der Stadt, von dem aus man Sterne sehen kann.
Ein bisschen Sunmudo und ein bisschen Haedong Kumdo (neue Kampfsportarten o/).
Wo es in Beijing belgisches Bier gibt.
Im August ist Regenzeit in Korea.
Korea hat es gemeistert, Essen von anderen Ländern zu kopieren und dann einfach besser zu machen.
Dinge über die Probleme der ländlichen Regionen Taiwans.
Die 7/11s in Taiwan sind die besten. Punkt.

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Neue Pläne:
In Beijing ankommen, einleben, ein Zuhause finden.
Wieder mehr Chinesisch lernen.
All die Dinge essen, die ich beim letzten Mal nicht aß, weil ich Vegetarierin war.
Einmal länger in Taipei leben.
Über China schreiben. Und podcasten.

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July Wrap-up – Ein Sommernachstraum


Geografisch:Sieht_aus_wie_Sommer_und_schmeckt_wie_Sommer.
“Zuhause” (Niedersachsen).
Berlin (Zuhause).
Irgendwo in Brandenburg mit vielen Mücken.
Fast in Wacken, aber letztendlich dann doch nicht.

Literarisch:
“Flash Boys” (Geniales Buch.)
“On such a full sea” – Chang-rae Lee (ganz in Ordnung, aber schön geschrieben)
“The Examined Life – How we lose and find ourselves”
Irgendetwas mit Terry Pratchett.
Jorge Luis Borges in Ausschnitten (geliebt).

Filmisch:
“Rigor Mortis” (bester Hong Konger Vampirtrash)
“Happy Together” (endlich, und es war die Wartezeit wert)
“Only Lovers Left Alive” (definitiv nicht gemocht, aber den Soundtrack hätte ich gerne)
“Kaze Tachinu – Wie der Wind sich hebt” (Miyazakis letztes, enttäuschendes Werk)
“Feuerwerk am hellichten Tage – Bai Ri Yan Huo” (was für ein wunder-, wunderbarer Film!)

Kulinarisch:
Burgers, what else?!?
Maybe_Rembrandt_Burger_s_old_Amsterdam_is_what_happiness_tastes_likeOkonomiyaki_dinner_is_best_dinner_3

Musikalisch:
Stromae, um schöne Worte in schönem Französisch zu hören.
Linkin Park, deren neues Album ich wie immer gar nicht so schlecht finde.
Rise Against, einfach weil halt.
The Fratellis, denn was könnte im Sommer besser sein und mehr an Hong Kong erinnern?
The Glitch Mob und Machinae Supremacy, denn irgendwann muss ja auch gearbeitet werden.

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Journalistisch:
Dinge über Coding da Vinci und Roboterkäfer.
Einen Kommentar über digitale Bildung.
Dinge zu TV in den USA und was beim Fernsehen als nächstes kommen könnte, wenn es nicht schon tot wäre.
Noch mehr Dinge zu offenen Daten.

Gelernt:Immer_diese_Badeseebilder_
Geduld lohnt sich.
Auch Rembrandt schmeckt besser mit Bacon.
Man sollte öfters nachts baden gehen (korrekt wäre: neu gelernt).
Wo man in Berlin gut baden kann.
Dass ich doch den Gin Basil Smash kriege, wenn ich lieb frage.
Immer wieder: Wie gut es tut, tolle Menschen zu umarmen.
Dinge über Ai Wei Wei und China, aber keine über David Bowie.
Wenn du in Frankreich beim Playstore ein Nexus kaufst, wird es nicht ganz unkompliziert, das in Deutschland umzutauschen.
Dinge über’s Schreiben (hoffentlich).
Wo es in Berlin Okonomiyaki gibt.
Wie ich es vermisse, Englisch und Französisch zu sprechen (wie ein Stück im Kopf, das fehlt).
Irgendetwas mit Badeseen in Berlin.

Not_yet_sure_if_win.Neue Pläne:
Urlaub.
Baden.
Wandern.
In Zentraltaiwan an eine Schule gehen und mit Kindern Englisch sprechen.
In Korea Taekwondo machen.
Zurückkehren und noch mehr über die wunderbaren Menschen hier zu lernen.
Neue Menschen kennenlernen.
Zum ersten Mal in meinem Leben in den Ferien Geburtstag haben.

 

 

Ich hasse Abschiede

Vielleicht werde ich das mit dem Abschiednehmen doch irgendwann einmal lernen, genug Gelegenheiten gibt es ja. Gestern fragte mich jemand: “Wo wohnst du eigentlich?” und die richtige Antwort war, wie vor zwei Jahren: “Nirgendwo”.

Vermutlich ist dieser Schwebezustand zwischen den Leben, Ländern und Menschen auch genau der richtige Moment, um das Gute in allem zu sehen. Es meckert sich leicht, wenn man mitten drinsteckt, im französischen Unileben und den regelmäßigen Urlauben in Deutschland oder dem täglichen Schulstress in Shanghai. Aber das Gute bemerkt man, wenn man schon weiß, was einem im einen Land fehlen wird, aber auch, worauf man sich im anderen freut.

Insofern folgt: Ein Plädoyer für weniger Schwermut und mehr Freude an den schönen Dingen. In Frankreich, Deutschland, China, Taiwan, überall.

Der Abschied von Frankreich war schnell, abrupt und lang ersehnt, ohne große Abschiedsszenen. Ich werde vermissen, wie schön die Sprache klingt und wie Franzosen mit ihren l’s und y’s einsilbig und unbemerkt noch neue Informationen in ihre Sätze schieben, wie die marokkanischen Händler auf dem Wochenmarkt ihr Gemüse und ihr Obst anpreisen, wie man einfach als Student fast jeden Abend Wein zum Essen haben kann, einfach, weil es geht, wie wir uns in Paris betrunken und bei Montmarte über der Stadt geküsst haben, wie wir an den Strand gefahren sind, um ein Wochenende lang nur Taekwondo zu machen, und mit Muskelkater in den Füßen wiederkamen, wie wir mit dem Wind losruderten und gegen ihn und einen Regenschauer wieder zurückkamen, wie eine Familie in Lille mich zwei Tage bei sich aufnahm und ich am Sonntag sogar an dem Festmahl, das ein wöchentliches Familienereignis ist, teilnehmen durfte. Und ich werde vermissen, wie nach dem Training die Sonne an dem hohen Himmel Le Havres untergeht, der Monet zu seinem ersten impressionistischen Gemälde inspirierte.

Der Abschied von Deutschland kam etwas verspätet, war lange nicht ganz vollzogen, innerlich aber doch schon durch. Ich werde vermissen (beginnen wir mit dem Essen), dass es überall Schokolade, dunkles Brot, Käse, viele Sorten Frischkäse im Supermarkt und im Sommer Beeren gibt, wie es sich anfühlt, be- oder angetrunken durch das nächtliche Berlin zu radeln, wie wir uns abends einfach mit Eis oder Gras in einen Park setzten (weil wir konnten), wie ich die meisten Dienstagabende verbrachte, wie die Autofahrer auf die Radfahrer Rücksicht nehmen (auch in Berlin), wie ich endlich zuhause wieder zum Taekwondo ging und danach zwei Tage nicht richtig laufen konnte, nur, um dann zur nächsten Trainingseinheit zu gehen, wie die Leute in Berlin an der Dahme ohne viel Aufhebens nackt baden gehen, wie ich jeden, mindestens aber jeden zweiten, Tag Burger essen gehen konnte, wie ich dann doch noch immer wieder neue spannende Menschen kennenlernte. Und wie wir an meinem letzten Abend in Berlin in meine Lieblingsbar gingen und Schokotorte geschenkt bekamen.

Ich freue mich auf das Wiedersehen mit Taiwan und den neuen Anfang in Beijing. Ich freue mich darauf, Chinesisch zu sprechen, auf das wunderbare Essen, die Leute (besonders in Taiwan), Menschen wiederzusehen, mit denen ich mich nur in Großstädten treffe, das Streetfood und die selbstgezogenen Nudeln, wandern zu gehen in Bergen und Urwäldern, die Clubs mit den kleinen Tanzflächen, das Midi-Festival in Shanghai und erstmals auch in Beijing, den schlechten Alkohol und Chu-Hi, Hot Pot und Jianbing, straßenweite Radwege, Hosteldorms, in denen morgens um sieben andere Reisende ihre Plastiktaschen umpacken müssen, das Leben auf den Straßen, die kleinen, rechteckigen Läden, alle nebeneinander, und erwähnte ich das Essen?

Ich bin gespannt auf Korea und könnte auch hier noch mehr über Taekwondo und gutes Essen schwärmen, aber am Ende gilt, dass überall etwas Gutes drinsteckt und alle Länder, in denen ich bisher gelebt habe oder gereist bin, ein Stückchen Liebe verdient haben. Dieses Gute nicht zu sehen, ist einfach. Ich hoffe, dass ich es das nächste Jahr über immer finden werde.

June Wrap-Up: Standing still is hard

Information_Informationen_folgen_in_K_rze__trollkvbGeografisch:
Frankreich (die letzten 36 Stunden).
Bonn (kurzzeitig zum Wohnen).
Mit tollen Leuten irgendwo auf einem Berg in Hessen (<3).
(Nicht im Schienenersatzverkehr!)
Osnabrück.
Karlsruhe (GPN o/).
Deutsche Welle.
Deutsche Post-Tower (Hint: Kantine mit frischer Pizza!)
Köln, für Burger und Computer.


Literarisch:
“Die Känguru-Offenbarung” in Ausschnitten.
“Alles in Allem” von Simone de Beauvoir in Ausschnitten.
Viele Dinge über China und sowieso jeden Morgen sinocism.com

Filmisch:
“Lust, Caution” auf ein Neues, weil er so gut war.
“Analyze this”, um herauszufinden, ob Robert de Niro oder ich der bessere Mafiaboss ist.

Kulinarisch: Burgerdings_mit__mumpfpuffel_o
Von besten Menschen gemachte Bratkartoffeln.
Von Eltern gemachtes Erdbeereis.
Selbstgemachtes Bananabread mit Schokolade.
Von anderen Menschen gemachte Burger.
In Karlsruhe gemachtes Gulasch.

Musikalisch:
Crossfaith live m/ (rockte sehr).
Linkin Park (Hunting Party, geht ins Ohr und perfekt für den Heimweg nach der Arbeit).
Woodkid, um eine Hausarbeit nur drei Tage zu spät abzugeben (und nicht einen Monat).
Irie Revoltes für den Hauch “Linksradikalismus” im Alltag.
Farin Urlaub, um trotz der Arbeit etwas zum Lachen zu haben.

Crossfaith_3

Journalistisch:
Dinge über China.

Gelernt:
Moshpits sind schwierig, wenn die ganze erste Reihe voller Fangirls (männlich und weiblich) ist.
Viele Dinge über die Deutsche Welle, good and bad.
Wie meine kaputte SSD von innen aussieht.
Man kann für 9€ von Bonn nach Osnabrück kommen, nur, um dann dort 4,50€ für 15 Minuten im Nahverkehr auszugeben.
Bonner Nahverkehr ist teuer, aber das ist im Sommer an manchen Tagen nicht ganz so schlimm, wie, den Venusberg hochradeln zu müssen.
Wie manche AfD-Wähler ticken (hat allerdings eher zu meiner Beunruhigung beigetragen).
Menschen, die ich seit langem nicht gesehen habe, sind immer noch genauso wunderbar und verrückt wie vor mehreren Jahren.
In Karlsruhe gibt es keine Mülleimer, aber die Stadt ist trotzdem beängstigend sauber.
Wie Munchkin geht und dass ich das, glaube ich, nicht länger als eine Runde aushalte.In_case_you_ever_wondered_what_your_SSD_looks_like_from_the_inside.
Wie langsam die Mühlen der Bürokratien malen, wenn die chinesische und die französische ineinander greifen (Hint: verdammt langsam).

Neue Pläne:
Weiterschreiben, vielleicht für die DW und noch vielleichter mal auf Englisch.
Doch nicht nach Malaysia.
Einen halben Sommer in Berlin verbringen.
Nach einem Jahr (ganz vielleicht) mal das kaputte Display meines Laptops reparieren.
In Taiwan auf einem Festival Crossfaith sehen.
Menschen wiedersehen und mich von ihnen verabschieden.
Ein Visum für China bekommen.
Lesen.