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“I wish hearts could grow thick skin, too” (Deauville, Jour 1)

Summer_Time__CC__strangecat_Vom 5. bis zum 9. März 2014 fand wieder das Asiatische Filmfestival in Deauville statt – und da meine Uni sich ohnehin in der Nähe befindet und sich hauptsächlich mit Asien beschäftigt, haben wir nicht nur umsonst Tickets, sondern auch zwei Tage frei bekommen, um das Festival in vollen Zügen genießen zu können. Da ich noch eine Präsentation für die Uni vorbereiten musste, war ich letztendlich nur an zwei Tagen in Deauville, aber auch das hat sich definitiv schon gelohnt.

Die Stadt an sich ist übrigens eine typische Kurstadt am Meer für reiche Touristen – mit einem Sandstrand, Haute Couture-Filialen, Golf- und Reitmöglichkeiten und den Strandschließfächern von Berühmtheiten wie Ang Lee ist es auf jeden Fall alles, nur nicht studentenfreundlich. Aber zum Thema.

Am ersten Tag habe ich mir nur zwei Filme angesehen, die sich insgesamt sehr gut mit “viel Blut und viele Tote” zusammenfassen lassen. Als ersten Film im Programm hatte ich mir dick “Steel Cold Winter” (im koreanischen Original “A Girl”) angestrichen und ich hatte mich mit Recht darauf gefreut. Von Anfang an wirkt der Film erst einmal recht harmlos – wir befinden uns in einem kleinen Dorf auf dem Land in Korea und es ist tiefster Winter, alles ist verschneit. Die Leinwand ist einen Großteil der Zeit über voll von blendendem Weiß, inmitten dessen sich die beiden Hauptcharaktere, Yoon-soo, der gerade aus Seoul hergezogen ist, und Hye-won näherkommen. Während Yoon-soo seine eigenen Problem in Seoul hinter sich zu lassen versucht, wird es in seiner neuen Heimat nicht gerade besser – nachdem er Hye-won auf einem riesigen zugefrorenen See eislaufen gesehen hat, ist er von dem (normschönen) Mädchen fasziniert, das nicht nur in der Klasse, sondern auch im Dorf eine Außenseiterin ist.

“Steel Cold Winter” (2013)

Die Geschichte entwickelt sich nicht, wie man vielleicht meinen könnte, als kitschige Teenager-Liebesgeschichte weiter, es wird im Gegenteil sehr, sehr (und manchmal übertrieben) blutig, wie man auch im Trailer schon sehen kann. Dass die Umsetzung etwas “over the top” ist, lenkt ein bisschen von der eigentlich durchaus guten Geschichte, die ich hier nicht spoilern möchte. Die Drehbuchautorin, die in Deauville war, um den Film vorzustellen, nannte als Leitmotiv die “Macht, die Gerüchte und Worte, einmal ausgesprochen, haben können”. Dieses Thema zieht sich auch durch den gesamten Film, zusammen mit der Frage, wie gut man einander jemals kennen kann – alles vor dem Hintergrund eines kleinen Dorfes in Korea.

Was mir letztlich am besten gefallen hat war die Ästhetik des Films – die Bilder wechseln zwischen nahezu perfekt weißen Schneelandschaften und schwarz-blauen Nächten mit gedämpftem Weiß, dazwischen gibt es immer mal wieder kurze Klassenzimmerszenen. Auch die beiden sehr schönen Hauptdarsteller passen in diesen ästhetischen Perfektionismus – im Kontrast dazu stehen hingegen am Anfang vor allem die Schreie der Schweine, die nachts zur Vorbeugung einer Seuche lebendig begraben werden, und dann zunehmend die Taten und Worte der Menschen, die vor dieser Kulisse perfekter Natur miteinander interagieren. Und irgendwann muss natürlich auch der Schnee schmelzen.

“Monster” (2014)

Dem zweiten Film des Tages stehe ich deutlich skeptischer gegenüber – es war die Weltpremiere von “Monsterz”, dem neuen Film des “Ring”-Regisseurs Hideo Nakata. Der Regisseur kündigte das Werk als “spannenden Action-Thriller” an, aber um ehrlich zu sein war ich gegen Ende eher genervt als beeindruckt. Ich habe definitiv nichts gegen Actionfilm (einige meiner besten Freunde sind Actionfilme!), aber in diesem Fall war die Storyline für meinen Geschmack einfach zu nebensächlich. Die Handlung, soweit vorhanden, schleppte sich mühsam dahin und ergab dann noch nicht einmal Sinn.

Die Grundidee ist, dass es einen Mann (“den Bösen”) gibt, der mit Willenskraft alle anderen Menschen kontrollieren kann – bis auf unseren Helden. Ihr seht, wo das hin führt: Während unser Held zwar selber nicht manipuliert werden kann, kann unser Bösewicht alle anderen und besonders die ihm wichtigen Menschen gegen ihn verwenden – und damit haben wir auch schon im Wesentlichen die Geschichte. Viel mehr kommt nicht dazu, im Gegenteil, der Film verstrickt sich nach und nach in mehreren Widersprüchen, was den Zuschauer noch zunehmend verwirrt. Ich hatte das Gefühl, dass es vor allem um Effekthascherei ging, um zu zeigen, wie viele Menschen der üble Bösewicht nach und nach dazu bringen kann, sich selber in den Tod zu stürzen, und wie heldenhaft sich der Held immer wieder auch von den tückischsten Attacken erholt. Der Film ist allerdings ein Remake des koreanischen Thrillers “Haunters” (2010) – vielleicht werde ich mir den einfach mal zum Vergleich zu Gemüte führen.

Eine Kleinigkeit, die mich besonders gestört hat, war übrigens der schwule Freund des Helden – es war ziemlich offensichtlich, dass er vor allem dazu da war, um Leute zum Lachen zu bringen, und entsprechend klischeehaft wurde er dargestellt. Ich hatte danach mit einem Freund eine kurze Diskussion was besser ist – soll Homosexualität letztendlich lieber unsichtbar bleiben, wenn sie nicht einigermaßen realistisch dargestellt wird, oder ist eine verzerrte Darstellung besser als gar keine? Ich kenne mich mit dem Thema nicht wirklich aus, würde aber aus dem Bauch heraus sagen, dass diese verzerrten Darstellungen eventuell als Zwischenschritt hin zu einer realistischeren Darstellung nötig sind, in der Homsexuelle nicht mehr rein eine Funktion als Homosexuelle erfüllen, sondern einfach als weitere Charakter (Haupt oder Neben) auftauchen können. Zum Vergleich wäre es interessant, mal zu schauen, wie mit dem Thema in anderen japanischen Filmen umgegangen wird – ich werde mal die Augen offen halten.

Dinge mit Filmen aus Asien (und ein bisschen Berlin)

Letztes Jahr habe ich schon einmal über diverse asiatische Filme geschrieben – und das die in Deutschland generell wenig Aufmerksamkeit bekommen, dachte ich mir, dass ich das doch auch durchaus noch einmal machen könnte. Besonders in Anbetracht der Tatsache, dass ich das letzte Wochenende auf dem asiatischen Filmfestival in Deauville verbracht habe. Um das Ganze etwas zu entzerren, wird das hier aber (hoffentlich) der erste von mehreren Posts, über die ich diverse Reviews verteilen werde.

Berlin ist vielleicht nicht mehr cool, aber als es das noch war, haben ein paar Koreaner dort mit “The Berlin File” einen doch irgendwie coolen Thriller gedreht. Die Geschichte ist an sich nichts Neues: Ein schöner Spionagethriller, zwischendurch ein paar konspirative Abendessen, Verfolgungsjagden, Kämpfe und tote Briefkästen. Der Clou: Die beiden Nationen, die sich da so hinterherspionieren, sind Nord- und Südkorea. An sich ist das nichts Besonderes, angesichts der Beziehungen zwischen den beiden Staaten finde ich es eher erstaunlich, dass es nicht schon viel mehr Thriller dieser Art gibt. Es ist aber doch interessant, wie ungewohnt es sich kurz anfühlt, dass die Staaten, die wir sonst als Akteure kennen, nur Kulisse sind – Amerikas Geheimdienst kommt am Rande vor, ebenso ein paar korrupte (deutsche) Politiker, wie sie in jeden Spionagefilm gehören. Ansonsten sind es vor allem die Koreaner, sowohl Süd als auch Nord, die sich Döner holen, Kämpfe an Häuserwänden liefen und irgendwie versuchen, bei den Intrigen und Machtspielchen ihrer Regierungen mitzuhalten, ohne das Vertrauen in die gesamte Welt zu verlieren – all das vor der Kulisse Berlins.

Die Geschichte ist vielleicht nicht die Tiefsinnigste, aber sehr schön umgesetzt mit tollen Bildern und immer diesem Hauch Verzweiflung, der bei allem, was gesagt und getan, wird, mitschwingt. Auch hier gilt wieder, was mir an koreanischen Filmen schon öfter aufgefallen ist: Niemand wirklich gut oder böse, alle irgendwie beides, vor allem aber irgendwie düster und etwas verzweifelt mit ihrem ganz persönlichen Ballast. Und dazu gibt es wieder ein (storytechnisch) sehr, sehr schönes Ende.

The Berlin File

Bei Weitem nicht so gut fand ich leider “Library Wars” (図書館戦争). Ich hatte mir den Film vor allem angeschaut, weil ich die schon in der Beschreibung erklärte Idee irgendwie interessant fand: In einem Japan der nicht allzu fernen Zukunft hat die Regierung begonnen, Literature stark zu zensieren (wenn man mal an das neue Gesetz zu Whistleblowing und Staatsgeheimnissen denkt, das Ende letzten Jahres unter Abes Regierung beschlossen wurde, ist das eher unheimlich als merkwürdig). Aufgrund eine älteren Klausel im Bibliotheksgesetz haben Bibliotheken allerdings das Recht, sich zu verteidigen – notfalls mit Gewalt. Das führt zu den Library Wars, dem Krieg innerhalb des Staates zwischen den Bibliotheken und den Zensurkräften, bei denen in genau definierten Zeiträumen auch geschossen wird. Dazu werden natürlich viele große Reden über die Meinungsfreiheit und die Bedeutung jeglicher Literatur geschwungen.

Leider weiß man damit auch schon alles, was an dem Film wirklich interessant ist – die Umsetzung der Idee konzentriert sich vor allem auf die Suche der Heldin nach ihrem “Prinzen”, die auch den Großteil ihrer Handlungen motiviert, die Story bleibt eher flach und holt wenig aus der zugrundeliegenden Idee heraus. Was mich besonders geärgert hat, war der Fokus der (weiblichen) Hauptperson auf ihren Prinzen. Wäre ihre Motivation minimal anders konstruiert gewesen, hätte sie eine richtig starke Frauenfigur sein können: Als einzige Frau schafft sie es in eine der Spezialeinheiten und schlägt sich dort irgendwie durch, dazu kommen dann noch diverse Dinge, die ich aber hier einmal weglasse, um nicht zu spoilern. Was sie schafft wird dadurch natürlich nicht weniger “toll”, aber der Fokus des Films auf die (potentielle) RZB stört mich etwas – besonders in Anbetracht der Tatsache, dass man aus der Grundidee mehr als eine Liebesgeschichte hätte herausholen können. Der Film beruht allerdings auf einem Buch, das der Aussage eines Freundes zufolge sehr gut ist, das werde ich mir wohl mal besorgen.

Library Wars

Augen, Ohren und Kopf auf: Was ich sah und hörte (Links)

Videofundus:

“Hur känns det?” (“Wie fühlt sich das an?”)

Leute reden (auf Schwedisch) darüber, wie es sich anfühlt, wenn man auf der Straße ganz offen mit Anfeindungen (vor allem rassistischer Natur) konfrontiert wird – und das tagtäglich. Gibt es leider nicht mit Untertiteln, die könnte das aber vermutlich auch nicht rüberbringen.

MIDI – Rockfestival auf Chinesisch

Auch nicht auf Deutsch, sondern auf Chinesisch und Englisch, was aber eigentlich auch nicht wichtig ist. Wichtig ist, dass man sich einen klitzekleinen Eindruck vom größten Rockfestival Chinas verschaffen kann, dass ursprünglich jährlich in Beijing stattfand und jetzt auch Ableger in verschiedenen anderen Städten hat. Ich war letztes Jahr bei der Shanghaier Version und kann bestätigen, dass es sich sehr lohnt und die Atmosphäre absolut klasse ist. In dem Video meint auch einer der Musiker: “Es ist wie eine Art Klassentreffen für die Bands.”

“Von Anfang an Elite” (WDR-Doku)

Der WDR hat sich (schon vor einer Weile) mal mit dem Bildunsgweg der Elite beschäftigt – oder zumindest ein paar Einrichtungen und Familien, die sich gerne als Teil dessen sehen würden. Konkret schauen sie sich englischsprachige Kindergärten, Schloss Salem und die European Business School (EBS) an. Natürlich ist das jetzt nur eine Fernsehsendung und es ist gut möglich, dass seitens der Redakteure schon Vorurteile bestanden. Trotzdem sind die Aussagen der Schüler und Studenten ja echt (soweit ich das beurteilen kann) und das ist manchmal echt krass. Beim teuren Schloss Salem meint zum Beispiel ein Schüler, “Hartz IV-Empfänger kommen hier natürlich nicht hier hin, die sind ja auch vom Bildungsniveau her sehr weit hiervon entfernt.” Na denn. Dazu muss man wissen, das Noten für die Aufnahme wenig entscheidend sind, viel wichtiger ist, dass man zahlen kann… (und der Teil über die EBS macht richtig Lust, die mal zu trollen!)

Jacob Appelbaum et al. beim Netzpolitischen Abend in der cbase

Zugegeben, mittlerweile haben es vermutlich die meisten gesehen und die ganze NSA-Sache hängt den meisten sowieso zum Halse heraus, hier gibt es aber noch einmal einen sehr lohnenswerten Talk des amerikanischen Hackers und Aktivisten Jacob Appelbaum, der selber schon einige gruselige Erfahrungen mit der Überwachung in seinem Heimatland gemacht hat.

Auf die Ohren:

DJ Tasmo: For Fusion with Love

Ich war ja vorletztes Wochenende auf der Fusion und fand es ganz wunderbar. Da konnte ich auch Tasmo mal auflegen hören und fand es richtig klasse – leider konnte ich nicht die ganze Zeit an der Dubstation bleiben, aber glücklicherweise hat er das Set aufgenommen und auf Soundcloud hochgeladen. Wenn ich gerade langweilige Dinge zu erledigen habe und dazu gerne etwas gute Musik hätte, schmeiße ich den Mix gerne mal als Schleife an.

Core in China

Wer noch ein bisschen über chinesische Musikkultur lernen möchte und auch vor den härteren Varianten derselben nicht zurückschreckt, der kann sich mal durch diese Compilation hören, die es umsonst bei Bandcamp gibt. Es sind ein paar nette Sachen dabei, mein Geschmack wir aber eher nicht so getroffen. Vielleicht haben ja andere Hörer mehr Glück. Wer es etwas weniger heftig mag, kann über Youtube und die offizielle Douban-Seite mal etwas bei 木玛&Third Party reinhören – beim Midi in Shanghai habe ich sie live gesehen und war echt beeindruckt, aus der Konserve sind sie allerdings nicht ganz so gut.

(Abgesehen davon habe ich auch einige tolle Vorträge und Gespräche auf der Sigint 2013 letztes Wochenende in Köln gehört, aber meines Wissens gibt es weder das eine noch das andere online – also bleibt nur, selber hinzugehen.)

“I don’t know anyone in heaven anyway!” (Asiatische Filmempfehlungen)

Da ich dieses Semester schon einmal richtig fies krank war (so das Level, bei man die Jalousien zumacht, weil das Licht wehtut, und den Tag lang im Bett liegt, weil das Einzige, was nicht zu weit weg ist, der Wasserkocher ist), konnte ich endlich einige Filme sehen, die ich mir schon vor Ewigkeiten auf meine endlose Liste gesetzt hatte:

“Old Boy” ist wohl einer der berühmtesten koreanischen Filme und wird öfters dafür angeführt, wie in Asien Gore und Thriller umgesetzt werden. Ich kenne mich jetzt in dem Horrorbereich nicht wirklich aus, finde aber, der Film ist einfach sehr sehenswert (wenn auch leicht creepy), unabhängig vom kulturellen Kontext. Yeo Ji-Tae, der eine der beiden Hauptrollen spielt, hat auch kürzlich sein Regiedebüt “Mai Ratima” fertig gestellt – ein Film über die Probleme in der koreanischen Gesellschaft, die bei dem ganzen Gangnam Style- und K-pop – Hype meistens zu kurz kommen. Auch sehr zu empfehlen.

Sowohl den chinesischen “Caught in the Web” als auch “You are the Apple of my eye (那些年)” habe ich mir v.a. angeschaut, um mein Hörverstehen in Chinesisch mal wieder etwas auf Vordermann zu bringen. Letzterer ist einfach nur eine sehr, sehr chinesische Liebesgeschichte (nur erfolgreicher als andere), wie man sie dort immer zu sehen bekommt – boys loves girl mit viel Drumherum. Ersterer ist zumindest storytechnisch interessant – er befasst sich mit einer auf einer Kleinigkeit beruhenden Hetzkampagne von Medien und Internet gegen eine einzelne Frau und was das mit ihrem Leben anrichtet. In Deutschland mag einem das Szenario etwas merkwürdig vorkommen, in China ist es aber traurig realistisch, darum kann der Film in der Hinsicht ganz lehrreich sein. (Ich führe das in einem anderen Text nochmal weiter aus, glaube ich, ist ein größeres Thema.)

You’re the Apple of my Eye

Außerdem aus der Kategorie “Mit Freunden und Wein”:

“Lust, Caution” von Ang Lee (dessen “Life of Pi” ich mir immer noch nicht gegeben habe und es auch in naher Zukunft nicht tun werde). Der Film hatte in China wegen der “wilden” Sexszenen für Aufsehen gesorgt, weil es anscheinend zahlreiche Verletzte bei dem Versuch gab, die Szenen im eigenen Schlafzimmer nachzuspielen. Die Koreaner regten sich dagegen trefflich darüber auf, dass die nackte Dame in ebendiesen Szenen nicht unter den Armen rasiert war. Nun ja. Man sollte den Film aber nicht auf die interessanten Sexszenen reduzieren, er ist auch als Gesamtwerk sehr gut! Dass die Geschichte zwischen Hong Kong und Shanghai stattfindet (in der einen Stadt habe ich gelebt, aus der anderen kommt meine Familie), machte den Film für mich nur umso interessanter. Besonders geschichtlich nimmt man auch einiges mit – fragt euch mal, wie viel ihr auf Anhieb über die japanische Besatzung Chinas wisst. Und dann könnt ihr diesen Film gucken, um euer Gewissen zu beruhigen.

In letzter Zeit habe ich dann auch noch mehrmals die Gelegenheit ergriffen, um zwei weitere Filme von meiner asiatischen to-watch-list zu streichen:

Über Akira Kurosawas Scandal war ich, glaube ich, bei der Recherche zu meinem Paper über japanische Geschlechterrollen gestolpert, den genauen Zusammenhang weiß ich gar nicht mehr. Auf jeden Fall ist der Film alt (genauer, von 1950) und das merkt man natürlich auch – die Geschichte geht echt sehr langsam voran. Von Kurosawa als Kritik am sensationsgierigen Verhalten der Medien gedacht, schockt der Film heute in Zeiten von BILD nicht mehr wirklich, was ihn aber als kleine Zeitkapsel nicht minder interessant macht. Kurosawas Bildsprache ist wie immer sehr schön und stark und wer ein bisschen ein Auge für die Subtilität asiatischer Filme und ihrer Liebesgeschichten hat (damals noch subtiler als heute), wird auch seinen Spaß haben. Für alle Filmnerds, denen das etwas sagt: Ich wurde auch darauf aufmerksam gemacht, dass der Film im Akademieformat gedreht ist, was zu dem Zeitpunkt in Europa eigentlich schon komplett vorbei war.

Irgendwo hatte ich gelesen, dass The Thieves vor allem eine koreanische Version von Ocean’s Eleven sei. Das mag zu dem Maße stimmen, dass es um unheimlich gewitzte Diebe mit ihren ganzen besonderen Fähigkeiten geht und wie man das zu einem genialen Coup zusammenbringen kann, ABER die Vereinfachung greift m.E. dann doch viel zu kurz. Bei George Clooney und seinen Leuten geht es in meiner Erinnerung vor allem darum, wie schön man zusammenarbeitet und irgendwie ans Ziel kommt, aber die Koreaner nehmen hier eine wesentlich weniger romantische Sichtweise ein – auch, wenn die Nonchalance eines echten Gangsterfilms natürlich nicht fehlt. Es sind ein paar echt nette Actionszenen dabei (Verfolgungsjagden an koreanischen Häuserfronten!) und mir gefällt auch die kleine Reise durch die Länder der Region – Hong Kong ist Hauptschauplatz, aber auch Seoul und Busan kommen auf ihre Kosten. Japan hat leider nur einen linguistischen Auftritt, aber besser als nichts. Genau, das ist noch etwas – der Film räumt auch damit auf, die Asiaten würden sich ja alle verstehen. Sprachliche Probleme sind unvermeidlich, wenn Koreaner und Chinesen zusammenarbeiten sollen, aber wenn man den Film mit Untertiteln schaut, fällt das Hin- und Hergewechsel zwischen vier Sprachen (Chinesisch, Kantonesisch, Koreanisch, Japanisch) vermutlich nicht so sehr auf.

Man beachte den erhöhten Coolnessfaktor durch Sonnenbrillen.

Und dann gibt es noch einen Sonderkandidaten – eine Dokumentation, die gar nicht auf meiner Liste stand, mir aber von einer Freundin empfohlen wurde. The Great Happiness Space: Tale of an Osaka Love Thief beschäftigt sich mit dem Konzept der Host Clubs in Japan und berichtet vor allem aus einem bestimmten in Osaka namens “Rakkyo”. Es geht darum, wie aus Liebe und Zuneigung ein Geschäft gemacht wird, wie eigentlich alle Beteiligten wissen, worum es geht, die Frauen sich aber dennoch in Träumen verlieren, die die Männer ihnen verkaufen, während die sich so sehr auf die Interaktion mit den Frauen einstellen, dass sie gar nicht mehr wissen, wo sie selber aufhören und die Maske anfängt. Letztendlich geht es wie so oft um einsame Menschen in einer Großstadt, die irgendwie alle nach Liebe suchen. Das Tragische ist, dass es alles wahre Geschichten sind. Gleichzeitig ist es aber auch auf tragische Weise faszinierend. Die Frage ist: Kann so etwas nur in Japan durchsetzen? Oder könnte es so etwas auch in jedem beliebigen anderen Land funktionieren? Einsame Menschen gibt es immerhin überall. Irgendwie perfide wird es, wenn man daraus Kapital schlägt und diese Gefühle ausbeutet. Aber um Schuldzuschreibungen geht es in der Doku nicht – sie stellt einfach nur dar. Sehr empfehlenswert!