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Shownotes: Vom Kalifat, Gerechtigkeit und öffentlicher Aufmerksameit

Genauso, wie ich gerne informative und gute Artikel teile, habe ich in letzter auch immer mal wieder das Bedürfnis, spannende Podcastfolgen oder Radiosendungen zu teilen. Während meines Urlaubs in China und Indien habe ich mal wieder einiges an Zeit in Bussen verbracht und mich dabei durch meinen iPod gehört – besonders empfehlenswert erschienen mir dabei folgende Sendungen:

BBC 4, “Analysis: The Idea of the Caliphate

Das BBC-Format “Analysis” ist eigentlich immer eine gute Wahl mit seinen etwa halbstündigen Folgen, die sich mal reportagenmäßig, mal eher wie ein Essay einem gesellschaftlich oder politisch relevanten Thema widmen – deswegen habe ich auch im Urlaub wieder einige Folgen gehört. “The Idea of the Caliphate” war wohl der beste von allen Podcasts, die ich während des Urlaubs konsumiert habe: Das Programm erklärt die Idee des Kalifats im Islam, sowohl aus historischer als auch theologischer Sicht. Letztere ist allein schon deswegen spannend, weil sie nicht eindeutig ist – je nachdem, wen man fragt, beinhaltet der Islam politische Implikationen oder eben nicht. Abgesehen von dem spannenden Inhalt mochte ich auch die nüchterne Darstellung – durch den sogenannten IS hat das Thema ja mittlerweile eine sehr aktuelle Bedeutung, doch bei “Analysis” wird er nur ein- oder zweimal relativ kurz erwähnt. Stattdessen liegt der Fokus wirklich auf historischen Fakten und den verschiedenen Seiten einer theologischen Debatte, die verständlich dargestellt werden und auch jeweils zu Wort kommen.

BBC 4, “Analysis: Terror and the Oxygen of Publicity

Nicht ganz so gut und informativ wie die Folge zum Kalifat, aber dennoch hörenswert – wieder einmal ist Auslöser der Folge der sogenannte IS und dieses Mal geht es um seinen für viele überraschend professionell geführten PR-Krieg im Internet. Das Thema taucht in letzter Zeit immer wieder irgendwo auf, aber ich habe das Gefühl, dass Analysis die ersten sind, die sich dem Komplex wirklich einmal mit viel Zeit nähern und in einem Rutsch nicht nur verschiedene Gegenansätze diverser Regierungen und Unternehmen wie Twitter vorstellen, sondern auch mit mindestens einem jungen Briten kommunizieren, der jetzt hauptberuflich Videos für den IS macht.

Monocle, “The Foreign Desk: Father Kinvi’s Story

Solange es nicht gerade um Ebola geht wird Berichterstattung über Ereignisse auf dem afrikanischen Kontinent ja oft eher vernachlässigt – und auch das Interesse und die Panik um Ebola hat mittlerweile etwas nachgelassen. Monocle widmet sich in dieser Folge des “Foreign Desk” allerdings einem ganz anderen Thema: Der Krise in der Zentralafrikanischen Republik, die anhand der individuellen Geschichte eines Pastors erzählt wird. Kinvi berichtet selber, wie er sich in dem Dorf, in dem er lebt, zwischen die Fronten begeben und zwischen ihnen zu verhandeln versucht hat und wie er und andere später versuchten, verfolgte Muslime aus dem Dorf zu schmuggeln. Zusätzlich wird diese Einzelgeschichte durch Interviewschnipsel mit Experten in die Gesamtsituation des Landes eingeordnet. Alles in allem ziemlich bedrückend, aber mal eine Möglichkeit, wieder etwas über eine Region zu lernen, die in den Nachrichten eher ein schwarzes Loch ist.

Monocle, “The Foreign Desk: South Africa – What price peace?

Dieser Podcast kommt nicht ohne Grund am Ende – ich hätte mir definitiv etwas mehr Diskussion und vielleicht auch philosophische Tiefe erwünscht, was bei einer BBC-Folge vielleicht durchaus drin gewesen wäre. Im Kern geht es um die Truth and Reconciliation Commission, die in Südafrika nach dem Ende der Apartheid eingerichtet wurde. Die Idee: Täter können justiziellen Strafen entgehen, indem sie diese quasi gegen die Wahrheit eintauschen. Sie sind die einzigen, die zu ihrer eigenen Überführung beitragen könnten, und wenn ein Land die Wahl zwischen Schweigen und sehr beschränkter Strafverfolgung und gründlicher Aufklärung ohne Strafverfolgung hat, wäre Letzteres die bessere Wahl. Es wird wie gesagt nicht angesprochen, wie das philosophisch gesehen werden könnte, stattdessen bleibt die Folge konkret und diskutiert den Fall Südafrika, wie sich die Arbeit der Kommission auf das Land ausgewirkt hat und ob etwas hätte anders laufen sollen – und wenn ja, wie.

(Sowohl “Analysis” von BBC als auch Monocles “Foreign Desk” kann man auch bei iTunes abonnieren.)

Titelbild: Alosh BennettCC BY 2.0

Meanwhile in Asia (3): China macht sich Feinde im eigenen Land, in Asien und aus Journalisten

China provoziert bei einem seiner vielen Territorialkonflikte
China macht sich mal wieder neue Freunde in Asien mit der Einrichtung einer neuen Air Defense Zone in einer der Regionen, zu denen es Territorialkonflikte gibt. Das Ganze ist praktisch eine Gegend, die China nun wie sein Hoheitsgebiet betrachtet und wo es demnach entsprechend auf ausländische Durchquerungen reagieren wird – interessanterweise überschneidet sich das Ganze mit einer Region, die u.a. Japan für sich beansprucht. AP argumentiert, dass China hier mehr langfristig denkt und gleichzeitig nationalistische Forderungen ansatzweise bedienen will, andere sehen das Ganze mehr als eine Provokation. Die Bedeutung dieser Zone wird davon abhängen, wie viel Wert China darauf legt, sie durchzusetzen – das wiederum wird sich wohl erst in der nächsten Zeit zeigen.

Korruption in China: Politiker und ausländische Firmen
Die New York Times hat vor gut einer Woche für Aufsehen gesorgt, als sie einen Artikel zu den engen Verbindungen zwischen der amerikanischen Bank JP Morgan und der Tochter des früheren chinesischen Premiers Wen Jiabao veröffentlichet. Im Großen und Ganzen geht es darum, wie gute, angeblich geschäftliche Verbindungen der Bank anscheinend geholfen haben, ihre Geschäfte in China auszubauen. Worauf ich eigentlich hinauswollte ist dieser Artikel von Bloomberg, der sich (vermutlich anlässlich der JP Morgan-Sache) mal erklärend der “Korruptionskultur” in China widmet und einen recht guten Überblick gibt, mit welchen Schwierigkeiten ausländische Firmen sich in China herumschlagen.

“Project Beauty” – Schleierverbot für eine ethnische Minderheit Chinas
Die chinesische Regierung beweist mal wieder ihre Sensibilität bei ethnischen Fragen – in der nordwestlichen, zentralasiatischen Provinz Xinjiang wird in letzter das wohl wieder verstärkt das “Project Beauty” betrieben, dass es uighurischen Frauen verbietet, Schleier zu tragen, und den Männern vorschreibt, ihre Bärte abzurasieren. Hintergrund sind vermutlich die Unabhängigkeitsbestrebungen einiger Uighuren und insbesondere einige als uighurische Terrorattacken beschriebene Vorfälle in den letzten Wochen und Monaten. Das Projekt scheint schon länger zu laufen, Yahoo! hat gestern allerdings einen Artikel dazu veröffentlicht, der sich auch den Hintergründen kurz und bündig widmet. So wie sich der Yahoo-Artikel liest, betreffen diese Regeln allerdings tatsächlich nur Uighuren – andere muslimische Minderheiten können sich weiter kleiden, wie sie wollen. Zugegeben, damit macht die Regierung sich wohl nicht gerade mehr Freunde in Xinjiang.

SIGINT-Leaks gibt’s übrigens auch in Asien (heute: Indonesien, China und Australien)
Eines australische Webseite berichtet von enger Zusammenarbeit zwischen Indonesien und China bei Spionage gegen Australien – anscheinend benutzt der indonesische Geheimdienst im großen Ausmaß chinesische Technik, um australische Telefone zu tappen. Was der Artikel großzügig auslässt, ist, dass vor kurzem bekannt wurde, dass Australien im großen Ausmaß Indonesien ausspioniert, anscheinend auch Teil der Snowden-Leaks. Die indonesische Regierung reagierte zunächst etwas hilflos, danach habe ich das Thema allerdings nicht weiter verfolgt.

Wie man Politik in China analysiert
Die Diskussionen zum 3. Plenum der CCP sind noch immer im Gange, mittlerweile sind sich alle recht einig, dass die wirtschaftlichen Reformen wohl irgendwie wichtig, wenn auch nicht unbedingt revolutionär sind und politische wohl noch etwas auf sich warten lassen werden. Dieser Artikel gibt mal einen kleinen Eindruck, wie detailliert ausländische Journalisten und Analysten die Worte im Communiqué des Plenums und die Rhethorik der chinesischen Führung analysieren, um herauszufinden, was die Zukunft für China bereithält – ziemlich detailliert.

Dauerbrenner Pressefreiheit in China (Further Readings)
In der chinesischen Version gibt es einen sehr schönen Text namens “The Transparent Chinese” – da bekommt man einmal eine Idee von dem Unterschied, den es zwischen dem Konzept des gläsernen Bürgers und eines “durchsichtigen Chinesen” gibt. Die China Digital Times hat sich der ganzen Sache mit dem unterdrückten Artikel bei Bloomberg noch einmal gewidmet und, wie sie es gerne tun, Reaktionen aus verschiedenen Kanälen zusammengetragen, definitiv eine nützliche Übersicht. Im Weiteren hat sich Paul Mooney, der langjährige China-Journalist, zu der Ablehnung seines Visums und der allgemeinen Situation ausländischer Journalisten in China geäußert.

Und zu guter Letzt die Fotos der Woche: 41 unzensierte Instagrams aus Nordkorea.

Meanwhile in Asia (2): Zensur, Sex und North Korea Chic

In China geht politisch gerade ein bisschen die Post ab – die Diskussion der Ergebnisse des 3. Plenums der CCP würde hier allerdings den Rahmen sprengen und da wird an anderer Stelle noch etwas Längeres folgen.

“A Game of Power” – China und ausländische Medien
Bloomberg, die angeblich aus Angst vor einem Rauswurf aus China einen Artikel (zunächst) nicht veröffentlichen haben nun einen China-Korrespondenten gefeuert – anscheinend werden in nächster Zeit insgesamt einige Bloomberg-Mitarbeiter ihren Job verlieren, aber gerade dieser eine Fall hängt wohl mit dem Leak von letzter Woche zusammen. Die New York Times hatte sich in ihrem Bericht über die Selbstzensur von Bloomberg auf anonyme Quellen innerhalb des Unternehmens bezogen und manche vermuten nun, dass der gefeuerte Michael Forstheye, der an der suspendierten Geschichte gearbeitet hat, dieser Leaker war. Ich vermisse dieses Thema bisher in den deutschen Medien komplett, sowohl New Yorker als auch der Economist haben sich damit nochmal etwas länger beschäftigt und fragen sich, welche Implikationen dieses Geschehen für Pressefreiheit hat und haben könnte.

11.11. – “Die ganzen Einsamen Einsen”
Eigentlich hätte das schon letzte Woche hierher gehört: Am 11. November war in China Single’s Day, an dem alles Singles offiziell über ihr Single-dasein traurig sein dürfen. Ich erinnere mich noch recht gut, dass es während meiner Zeit in Shanghai an diesem Tag unter Expats eine Menge Parties gab, die man wohl am ehesten als Hook-Up-Parties bezeichnen konnte. Viele Chinesen haben eine andere Methode um mit ihrer Trauer umzugehen: Sie gehen shoppen. Und so ist aus dem Singles-Day mittlerweile ein Riesengeschäft für diverses Onlinehändler geworden, die an diesem einen Tag des Jahres einen erheblichen Teil ihres Umsatzes machen, während gleichzeitig das Liefersystem zusammenbricht.

China’s Memory Hole – How to get deleted on Chinese Twitter
ProPublica hat ein sehr nettes Online-Tool namens “China’s Memory Hole” gemacht, mit dem man mal einen Einblick in die Bilder bekommt, die bei den menschlichen Zensoren den Löschtasten-Reflex auslösen. Das Sample von PP ist recht klein und die Ergebnisse können daher was die Proportionen der einzelnen Kategorien angeht auf keinen Fall als repräsentativ angesehen werden, der Wert des Projekts liegt m.E. eher darin, dass man einfach mal eine Idee von auf Weibo zensiertem Bildmaterial bekommt.

Und zum Schluss ein bisschen Sex…
…kommt ja immer gut. Shanghaiist ist tendenziell ein leicht trashiges Online-Magazin, aber diesen Beitrag fand ich doch irgendwie nett: Chinas Twitterer und andere Netzbewohner haben mal geschaut, welche eigentlich unschuldigen Charaktere denn euch Sexpraktiken ausdrücken könnten. Oh, the wonders of languages working with pictograms!

Anstieg japanischer Emissionen wegen Fukushima-Unglück
Japan hat sich offiziell von seinen recht ehrgeizigen Emissionszielen zurückgezogen und das Ganze etwas relativiert, als Grund wird das Unglück in Fukushima angegeben. Das scheint plausibel: Das rohstoffarme Japan, das sonst auf Importe angewiesen wäre, hat bisher stark Fokus auf nukleare Energie gesetzt. Aufgrund der Katastrophe in Fukushima sind nun alle Atomkraftwerke erstmal abgeschaltet worden, was dazu führt, dass das Land auf andere Energiequellen mit mehr Emissionen zurückgreift.

Und als Facepalm-Link des Tages gibt es “North Korea Chic”, laut Elle-Magazin einer der diesjährigen Herbsttrend…

Some have seen what none can dream (Musik- und Videolinks)

Some have seen what none can dream, but light calls it a lie.

Auf die Ohren:

Hier darf natürlich Tasmos wunderbarer zweiter Fusionmix nicht fehlen, der mich am bisher heißesten Sonntag des Jahres begleitete, während ich leider etwas produktiv sein musste. Aber die Musik in Kombination mit etwas Eis haben mich durchaus dafür entschädigt.

Bei diesem Wetter gibt es übrigens eine Band, die man eigentlich unbedingt hören sollte, weil sie unendlich entspannte, gleichzeitig etwas funkige und dadurch nicht langweilige Musik macht: The Cat Empire. Aus Nostalgiegründe verlinke ich hier das erste Lied, was ich jemals von ihnen gehört habe, aber eigentlich kann man irgendwo anfangen und sich dann dort durchhören. Und die Liedtexte sind oft nochmal eine ganz eigene Musik für sich – daher auch der Titel des Posts.

Auf Reddit schreibt ein Mathelehrer, dass er viele Nächte in letzter Zeit damit verbracht hat, Musik zu machen, anstatt Arbeiten zu bewerten. Herausgekommen ist das wunderbare Album “Escalator Music”, mit Musik, die genau richtig für die heißen Tage ist – ein bisschen Electro, manchmal entspannt, manchmal etwas schneller, aber immer entspannt.

Für die Augen:

Ich mag Wikinger. Und zunehmend mag ich auch Bier. Aber darum geht es nicht, eigentlich geht es nur um diesen niedlichen Spot hier.

Hal Lasko ist 97 Jahre alt und blind im Zentrum seines Sehfeldes – trotzdem malt er mit Microsoft Paint tolle Bilder, die sein Leben zu bestimmen scheinen. “Other people want the pixels gone, but I want to see them.”

Außerdem schon etwas älter, aber immer noch toll: Ein Bild vom Cast der ersten Staffel der Sesamstraße und dazu die allererste Folge in drei Teilen. Die Sesamstraße, mit der ich aufgewachsen bin, war schon eine ganze andere. Mit einer Ausnahme: Es gibt ein Weihnachtsspezial aus den 70ern oder 80ern, das wir seit ich denken kann immer mit der Familie beim Tannebaumschmücken gucken. Ich war schon immer der Meinung gewesen, dass die Leute dort viel toller waren als die in der komischen bunten Sesamstraße, die ich am Ende in Deutschland vorgesetzt bekam. Kinder können dieses “Früher war alles besser!” also manchmal schon ganz gut, auch, wenn sie gar nicht dabei waren.

Wer außerdem noch Lust auf etwas Lehrreiches und Unterhaltsames hat, sollte sich dieses wunderbare TEDxCopenhagen-Video anschauen, in dem es mit viel Humor um Sicherheitswahn und allem voran Fahrradhelme geht – warum sie unnötig sind und warum wir eigentlicher eher die Warnschilder von Zigarettenpackungen auf Autos kleben sollten.

Viel China, “zu viel Sex” und ein bisschen NSA (Links)

Nachdem ich mich ja in letzter Zeit zunehmend mit Medien und ihren neuen und alten Ideen und Konzepten beschäftige, stieß mich eine Medienredakteurin der “taz” auf ein nettes Experiment in Amerika: Die New York Times probiert gerade ein neues Format aus, bei dem sie Nutzerkommentare beim Lesen des Textes neben eben diesem anzeigt, um zu zeigen, dass Leserstimmen auch Teil der Geschichte sind. Mir persönlich gefällt die Idee in diesem Fall gut, andererseits möchte ich, wenn ich SPON lese, glaube ich eher vermeiden, dann auch noch die dortigen Kommentare aufgezwungen zu kriegen.

Ein anderer Artikel mit ähnlichem (aber nicht dem gleichen Konzept) behandelt auch direkt ein Land, das mir sehr am Herzen liegt: China. Genauer gesagt geht es um die erzwungene Urbanisierung in China, eines der vielen verrückten Projekte der wunderbaren Zentralregierung. Unterlegt ist der Text dabei mit Zitaten von Betroffenen aus China. Abgesehen von großen politischen Geschehnissen ist in China gerade vor allem das Wetter interessant, die Temperaturen schießen in nie gesehen Höhen. Wie man da gerade Spiegeleier auf einem Gullideckel braten kann und andere Kuriositäten hat die Washington Post einmal in Bildern zusammengestellt. Und da wir uns gerade ohnehin schon in Asien befinden: The largest photo ever taken of Tokyo is zoomable. Viel Spaß. Außerdem sind sowohl Chinesisch als auch Japanisch auf der Liste der laut Memrise angeblich schwierigsten Sprachen der Welt zu finden. Interessant ist die Liste vor allem, weil die Behauptungen hier auch einmal begründet werden.

Weiter mit Sex: Während auf Twitter, sz.de und SPON gerade ein Video umgeht, das die Unterschiede zwischen Pornos und echtem Sex anhand von Essen erklärt, gab es auf faz.net einen etwas traurigen Text gefunden: Eine Dame schreibt, wie schrecklich sie zum Beispiel die “Ich will’s…”-Kampagne findet, weil – Achtung! – sie ja in eine Situation kommen könnte, in der sie ihren armen Kindern Sex erklären müsste.

Realsatire der anderen Art gibt es (nochmal) bei der New York Times zu lesen, wo sich einer der “Seniorkorrespondenten” des Blattes über die ganze Aufregung über den NSA-Skandal in Deutschland lustig macht. Da stehen so schöne Dinge wie “former interior minister who intimately knows the world of spying and disinformation, Schäuble” oder auch:

Germany has yet to rebuild a foundation of self-confidence which makes it possible to view challenges as tasks rather than emotional crises.

Aus dem Mund eines ehemaligen US-Botschafters. Meine Lesart: Wegen ihrer Minderwertigkeitskomplexes retten die Deutschen sich in sinnlose Wut, anstatt sich der Thematik der totalen Überwachung einmal ganz nüchtern und rational zu nähern, um sie dann als das Instrument gegen den Terror, das sie ist, zu akzeptieren.

Außerdem:

10 Dinge, die alle Eltern ihren Kindern über Behinderungen beibringen sollten fand ich wirklich interessant und ich werde versuchen, die dort gesagten Dinge in Erinnerung zu behalten. Einfach, weil es auch für Menschen ohne Kinder den Horizont etwas erweitert.

Hier dann noch ein paar schöne Bilder zu Nazis und Hollywood.

Und zum Schluss gibt’s dann noch einen Tag mit einem ebay now-Liefermann, der den ganzen Tag über für Kunden das Shopping erledigt und ihnen dann die Produkte liefert. Unterwegs ist er dabei mit öffentlichen Verkehrsmitteln und zu Fuß.

Lieblings-China-Links – eine Auswahl.

Obwohl ich nicht mehr in China lebe, verfolge ich immer noch, was dort gerade so vor sich geht. Ein paar interessante Links habe ich hier mal zusammengetragen:

Chinas ungeschriebene Regeln in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sind tatsächlich vielen Ausländern (auch solchen, die selber in China leben) ein absolutes Rätsel. Wenn man das alles ein bisschen besser versteht, ergeben auch Streitereien oder Maßnahmen der Führungsriege (manchmal) etwas mehr Sinn. Reuters hat einen anderen Ansatz gewählt und stellt mit Connected China den Versuch vor, die chinesischen Führunsgeliten in ihren Beziehungen zu- und untereinander graphisch aufzuarbeiten. Auch, wenn die Namen einem nicht viel sagen werden, ist es interessant, sich einfach mal durchzuklicken.

Eine Fundgrube an Chinabeiträgen bietet übrigens die Tea Leaf Nation, kürzlich fiel mir My Experience of Being Black in China auf. Der Text berührt die Problematik nur recht oberflächlich. Der Autor sieht die Entwicklung in letzter Zeit ja eher positiv, dabei sollte man aber nicht vergessen, dass der ganze Komplex auch heute definitiv noch ein Problem in China ist.

Neben der Tea Leaf Nation gibt es natürlich auch noch China Smack (danke an Jojo für den Tipp!), das die großen Internetdiskussionen Chinas auf Englisch vorstellt. Dazu gibt es allerdings praktischerweise auch immer chinesische Originaltexte (beim Drübergehen mit der Maus), sodass man nebenher mal wieder etwas Chinesisch üben kann. In letzter Zeit ist zum Beispiel ein Verwaltigungsprozess das große Thema, bei dem sich zuletzt ein Juraprofessor zu der Aussage hinreißen ließ, es sei ja nicht so schlimm, wenn “bar girls” vergewaltigt werden. So ganz objektiv natürlich, verglichen mit guten Mädchen. Einmal Shitstorm, bitte. Ein anderer Text beschäftigt sich mit einem Projekt zu chinesischen Dialekten, das von zwei Amerikanern betrieben wird und einen kleinen Einblick in die Vielfalt chinesischer Dialekte gewährt.

Ich hab ja nie selber als Expat in Beijing gelebt und das dortige Ausländerleben nur am Rande mitbekommen, aber manche Dinge in Beijing State of Mind kann ich doch lachend bestätigen. Andere erschließen sich vielleicht nur denen, die dort gelebt haben, aber einen kreativen Eindruck bietet das Lied doch. Besonders überrascht war ich, dass die Hukou-Problematik aufgegriffen wurde. Da merkt man, dass die Schreiber sich auch durchaus mit den Leuten dort und ihren Problemen beschäftigen, was mich immer wieder freut.

Und zum Schluss noch ein Funlink, der nichts mit China zu tun hat, den ich aber gerne loswerden wollte: In Japan hat die konservative Regierungspartei eine Propagandaversion von Doodlejump namens “Abe Pyon” veröffentlicht, bei dem man die ganze Zeit das Gesicht des Premiers Abe anstatt des kleinen, grünen Rüsseltiers sieht. Nun ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, wann wir Merkel auf unseren Smartphones von Plattformen in die Luft katapultieren lassen können…

Augen, Ohren und Kopf auf: Was ich sah und hörte (Links)

Videofundus:

“Hur känns det?” (“Wie fühlt sich das an?”)

Leute reden (auf Schwedisch) darüber, wie es sich anfühlt, wenn man auf der Straße ganz offen mit Anfeindungen (vor allem rassistischer Natur) konfrontiert wird – und das tagtäglich. Gibt es leider nicht mit Untertiteln, die könnte das aber vermutlich auch nicht rüberbringen.

MIDI – Rockfestival auf Chinesisch

Auch nicht auf Deutsch, sondern auf Chinesisch und Englisch, was aber eigentlich auch nicht wichtig ist. Wichtig ist, dass man sich einen klitzekleinen Eindruck vom größten Rockfestival Chinas verschaffen kann, dass ursprünglich jährlich in Beijing stattfand und jetzt auch Ableger in verschiedenen anderen Städten hat. Ich war letztes Jahr bei der Shanghaier Version und kann bestätigen, dass es sich sehr lohnt und die Atmosphäre absolut klasse ist. In dem Video meint auch einer der Musiker: “Es ist wie eine Art Klassentreffen für die Bands.”

“Von Anfang an Elite” (WDR-Doku)

Der WDR hat sich (schon vor einer Weile) mal mit dem Bildunsgweg der Elite beschäftigt – oder zumindest ein paar Einrichtungen und Familien, die sich gerne als Teil dessen sehen würden. Konkret schauen sie sich englischsprachige Kindergärten, Schloss Salem und die European Business School (EBS) an. Natürlich ist das jetzt nur eine Fernsehsendung und es ist gut möglich, dass seitens der Redakteure schon Vorurteile bestanden. Trotzdem sind die Aussagen der Schüler und Studenten ja echt (soweit ich das beurteilen kann) und das ist manchmal echt krass. Beim teuren Schloss Salem meint zum Beispiel ein Schüler, “Hartz IV-Empfänger kommen hier natürlich nicht hier hin, die sind ja auch vom Bildungsniveau her sehr weit hiervon entfernt.” Na denn. Dazu muss man wissen, das Noten für die Aufnahme wenig entscheidend sind, viel wichtiger ist, dass man zahlen kann… (und der Teil über die EBS macht richtig Lust, die mal zu trollen!)

Jacob Appelbaum et al. beim Netzpolitischen Abend in der cbase

Zugegeben, mittlerweile haben es vermutlich die meisten gesehen und die ganze NSA-Sache hängt den meisten sowieso zum Halse heraus, hier gibt es aber noch einmal einen sehr lohnenswerten Talk des amerikanischen Hackers und Aktivisten Jacob Appelbaum, der selber schon einige gruselige Erfahrungen mit der Überwachung in seinem Heimatland gemacht hat.

Auf die Ohren:

DJ Tasmo: For Fusion with Love

Ich war ja vorletztes Wochenende auf der Fusion und fand es ganz wunderbar. Da konnte ich auch Tasmo mal auflegen hören und fand es richtig klasse – leider konnte ich nicht die ganze Zeit an der Dubstation bleiben, aber glücklicherweise hat er das Set aufgenommen und auf Soundcloud hochgeladen. Wenn ich gerade langweilige Dinge zu erledigen habe und dazu gerne etwas gute Musik hätte, schmeiße ich den Mix gerne mal als Schleife an.

Core in China

Wer noch ein bisschen über chinesische Musikkultur lernen möchte und auch vor den härteren Varianten derselben nicht zurückschreckt, der kann sich mal durch diese Compilation hören, die es umsonst bei Bandcamp gibt. Es sind ein paar nette Sachen dabei, mein Geschmack wir aber eher nicht so getroffen. Vielleicht haben ja andere Hörer mehr Glück. Wer es etwas weniger heftig mag, kann über Youtube und die offizielle Douban-Seite mal etwas bei 木玛&Third Party reinhören – beim Midi in Shanghai habe ich sie live gesehen und war echt beeindruckt, aus der Konserve sind sie allerdings nicht ganz so gut.

(Abgesehen davon habe ich auch einige tolle Vorträge und Gespräche auf der Sigint 2013 letztes Wochenende in Köln gehört, aber meines Wissens gibt es weder das eine noch das andere online – also bleibt nur, selber hinzugehen.)