Category Archives: Medien

Meanwhile in Asia…

Ich wundere mich immer wieder, wie wenig man bei uns eigentlich von dem mitbekommt, was in Asien passiert – und wie fremd der gesamte Kontinent oft zu sein scheint. Unser gesamter Campus hier ist darauf ausgerichtet, sich mit Asien zu beschäftigen, wir feiern das indische Lichterfest und das chinesische Neujahr und wenn Kimchi im Kühlschrank steht, wollen alle WG-Bewohner etwas abhaben.

Ich habe tatsächlich das Gefühl, dass die deutschen Medien nicht übermäßig viel über Asien berichten – das ist kein Vorwurf, aber ich würde trotzdem gerne später selber daran arbeiten, dass sich das ändert. Im Moment kann man aber schon auf einiges an ziemlich guter Berichterstattung englischer Medien (und ein paar Berichte, die ohne Worte auskommen) zurückgreifen. Hier habe ich darum mal  “Asien in den Medien” dieser Woche zusammengetragen.

China:

Selbst- und Fremdzensur ausländischer Medien
Eine der wichtigsten Nachrichten diese Woche war, dass Paul Mooney, langjähriger Mitarbeiter für Reuters in China, kein neues Journalistenvisum bekommen hat – ohne Angabe von Gründen. Seine kritische Berichterstattung in der Vergangenheit wird dabei wohl eine Rolle gespielt haben. Reuters sagt offiziell erstmal, dass sie “keinen weiteren Druck ausüben wollen”, ob sie es wirklich hinnehmen, wird sich zeigen. Die Maßnahme reiht sich allerdings passgenau in die Politik der Regierung unter Xi Jinping besonders der letzten Zeit ein, die statt wie erhofft durch Reformen, vielmehr durch härtere Maßnahmen gegen Blogger und “Twitterer” gekennzeichnet war.

In eine ähnlich dunkle Richtung zeigt die Entscheidung von Bloomberg, eine investigative Reportage zu Verbindungen zwischen den Familien hochrangiger chinesischer Politiker und “einem der reichsten Männer Chinas” nicht zu veröffentlichen – laut der NYT aus Angst davor, in Zukunft nicht mehr aus China berichten können. Laut der gleichen Quelle hat der Redakteur, der diesen Grund nannten, auch angesagt, dass er sich damit beschäftigen wolle, “wie Medien im Dritten Reich unter den Nazis gearbeitet haben”. Die Bedenken, dass weitere Investigativberichte negative Folgen haben könnten, sind wohl nicht ganz unbegründet, also ist z.B. die New York Times selber, die sich letztes Jahr eingehend mit dem Vermögen des neuen chinesischen Präsidenten beschäftigt hatte, seitdem in China gesperrt.

Bisher wurde zwar noch keine gesamte Zeitung oder Nachrichtenagentur aus dem Land geworfen, Al Jazeera China hat sich allerdings “freiwillig” zurückgezogen, nachdem das Visa ihrer Korrespondentin nicht verlängert wurde – das erste Mal seit 30 Jahren, dass so etwas passierte. Wie James Fallows sehr treffend sagt: “This is not the way a confident, big-time government behaves.” Ganz im Gegenteil.

China holt sich sein Geld aus dem Ausland zurück
Auch andere Dinge passieren in China (oder besser: von China ausgehend), ob die wesentlich besser sind, muss jeder für sich entscheiden: Die Regierung ist im Ausland nun auf einer großangelegten Jagd nach den Früchten inländischer Korruption, die sich in Villen und dicken Konten im Ausland manifestiert und es ihren Besitzern, sich irgendwann in Ruhe abzusetzen. In dem verlinkten Quartz-Artikel geht es auch darum, wie so etwas im Ausland generell funktioniert, interessant finde ich allerdings auch die Implikationen für China selber, da dieses Vorgehen gut zu den harten Maßnahmen gegen Journalisten passt: Die Regierung zeigt Stärke und versucht, für Ordnung zu sorgen.

Generell wird sie mit solchen Maßnahmen allerdings wohl vor allem die “high profile”-Fälle erwischen, ob damit auch etwas gegen die Korruption auf dem alltäglichen Niveau tun kann, ist eine andere Frage. Dort läuft meines Wissens wesentlich weniger direkt über bares Geld, man wagt sich vielmehr in ein eng gesponnenes Netz verschiedener Gefallen, die man sich über die Jahre gibt, und für die man irgendwann eine Gegenleistung erwartet. Das zu quantifizieren und direkt dagegen vorzugehen, dürfte nochmal um Einiges schwerer sein.

Wichtiges Plenum in Beijing, ganz vielleicht mal Reformen (aber eher nicht)
Last but not least: Das wichtigste politische Ereignis der Woche (oder des Halbjahres) in China, das Plenum des Zentralkomitees, findet seit dem 9. November in Beijing statt. Der Economist widmet sich dem Thema in diesem Artikel und gibt eine Übersicht über das Event an sich und erklärt auch, dass hier zwar große Linien, aber noch lange nicht unbedingt konkrete Politik beschlossen werden. Aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes in letzter Zeit, die bei Weitem nicht nur positiv ist (dazu an anderer Stelle später mal mehr), wird erwartet/gehofft, dass bei diesem Treffen einige weitgreifende Reformen beschlossen werden. Wie jedes Mal bei solchen Treffen hört man Stimmen die meinen, dass genau dieses Treffen endlich dasjenige sein könnte, auf dem endlich die Liberalisierung des chinesischen Marktes beschlossen wird – in einem Kommentar hieß es dann auch sehr passend: “I believe it when I see it.”

Nordkorea:

100.000 Straflagerinsassen “verschwunden”
Schon etwas älter, aber ich habe es erst im Laufe der letzten Woche mitbekommen: Recht neue Analysen von Satellitenbildern deuten daraufhin, dass in den letzten Jahren (genaue Zeiträume werden nicht genannt) wohl etwa die Hälfte der nordkoreanischen Straflager-Insassen verschwunden ist – 100.000 von 200.000 Menschen. Wobei verschwunden in diesem Fall ein Euphemismus für “gestorben” ist. Generell waren die Ernten auch in Südkorea im letzten Jahr schlecht, sodass Unterernährung eine plausible Erklärung wäre, was die ganze Sache allerdings nicht minder schrecklich macht.

Was wäre, wen Nordkorea heute zusammenbrechen würde?
Dieser Artikel von Sino-NK widmet sich Nord Korea noch von einem akademischen Standpunkt aus – er versucht, die Frage zu beantworten, wie und wohin Nordkoreaner im Fall eines politischen Zusammenbruchs ihres Landes migrieren würden. Wie immer ist die wichtigste Frage: Was täte China? In diesem Fall: Würde es potentielle Flüchtlinge aufnehmen oder lieber versuchen, sie im Land zu halten. Der Professor im Interview argumentiert, dass die Flüchtlingsströme selbst wenn China sich öffnen würde nicht besonders groß sein würden. Um die Plausibilität dieser Aussage einzuschätzen fehlt mir das Wissen, aber ich finde es interessant, nachzulesen, wie er detailliert den Aufbau seines Modells erklärt.

Japan

Und weil das alles viel zu düstere und negative Nachrichten sind, gibt es zur Aufheiterung ein paar Bilder vom japanischen Fotografen Nagano Toyokazu, genauer gesagt: in erster Linie seinen beiden unendlich niedlichen Töchtern.

Some have seen what none can dream (Musik- und Videolinks)

Some have seen what none can dream, but light calls it a lie.

Auf die Ohren:

Hier darf natürlich Tasmos wunderbarer zweiter Fusionmix nicht fehlen, der mich am bisher heißesten Sonntag des Jahres begleitete, während ich leider etwas produktiv sein musste. Aber die Musik in Kombination mit etwas Eis haben mich durchaus dafür entschädigt.

Bei diesem Wetter gibt es übrigens eine Band, die man eigentlich unbedingt hören sollte, weil sie unendlich entspannte, gleichzeitig etwas funkige und dadurch nicht langweilige Musik macht: The Cat Empire. Aus Nostalgiegründe verlinke ich hier das erste Lied, was ich jemals von ihnen gehört habe, aber eigentlich kann man irgendwo anfangen und sich dann dort durchhören. Und die Liedtexte sind oft nochmal eine ganz eigene Musik für sich – daher auch der Titel des Posts.

Auf Reddit schreibt ein Mathelehrer, dass er viele Nächte in letzter Zeit damit verbracht hat, Musik zu machen, anstatt Arbeiten zu bewerten. Herausgekommen ist das wunderbare Album “Escalator Music”, mit Musik, die genau richtig für die heißen Tage ist – ein bisschen Electro, manchmal entspannt, manchmal etwas schneller, aber immer entspannt.

Für die Augen:

Ich mag Wikinger. Und zunehmend mag ich auch Bier. Aber darum geht es nicht, eigentlich geht es nur um diesen niedlichen Spot hier.

Hal Lasko ist 97 Jahre alt und blind im Zentrum seines Sehfeldes – trotzdem malt er mit Microsoft Paint tolle Bilder, die sein Leben zu bestimmen scheinen. “Other people want the pixels gone, but I want to see them.”

Außerdem schon etwas älter, aber immer noch toll: Ein Bild vom Cast der ersten Staffel der Sesamstraße und dazu die allererste Folge in drei Teilen. Die Sesamstraße, mit der ich aufgewachsen bin, war schon eine ganze andere. Mit einer Ausnahme: Es gibt ein Weihnachtsspezial aus den 70ern oder 80ern, das wir seit ich denken kann immer mit der Familie beim Tannebaumschmücken gucken. Ich war schon immer der Meinung gewesen, dass die Leute dort viel toller waren als die in der komischen bunten Sesamstraße, die ich am Ende in Deutschland vorgesetzt bekam. Kinder können dieses “Früher war alles besser!” also manchmal schon ganz gut, auch, wenn sie gar nicht dabei waren.

Wer außerdem noch Lust auf etwas Lehrreiches und Unterhaltsames hat, sollte sich dieses wunderbare TEDxCopenhagen-Video anschauen, in dem es mit viel Humor um Sicherheitswahn und allem voran Fahrradhelme geht – warum sie unnötig sind und warum wir eigentlicher eher die Warnschilder von Zigarettenpackungen auf Autos kleben sollten.

Viel China, “zu viel Sex” und ein bisschen NSA (Links)

Nachdem ich mich ja in letzter Zeit zunehmend mit Medien und ihren neuen und alten Ideen und Konzepten beschäftige, stieß mich eine Medienredakteurin der “taz” auf ein nettes Experiment in Amerika: Die New York Times probiert gerade ein neues Format aus, bei dem sie Nutzerkommentare beim Lesen des Textes neben eben diesem anzeigt, um zu zeigen, dass Leserstimmen auch Teil der Geschichte sind. Mir persönlich gefällt die Idee in diesem Fall gut, andererseits möchte ich, wenn ich SPON lese, glaube ich eher vermeiden, dann auch noch die dortigen Kommentare aufgezwungen zu kriegen.

Ein anderer Artikel mit ähnlichem (aber nicht dem gleichen Konzept) behandelt auch direkt ein Land, das mir sehr am Herzen liegt: China. Genauer gesagt geht es um die erzwungene Urbanisierung in China, eines der vielen verrückten Projekte der wunderbaren Zentralregierung. Unterlegt ist der Text dabei mit Zitaten von Betroffenen aus China. Abgesehen von großen politischen Geschehnissen ist in China gerade vor allem das Wetter interessant, die Temperaturen schießen in nie gesehen Höhen. Wie man da gerade Spiegeleier auf einem Gullideckel braten kann und andere Kuriositäten hat die Washington Post einmal in Bildern zusammengestellt. Und da wir uns gerade ohnehin schon in Asien befinden: The largest photo ever taken of Tokyo is zoomable. Viel Spaß. Außerdem sind sowohl Chinesisch als auch Japanisch auf der Liste der laut Memrise angeblich schwierigsten Sprachen der Welt zu finden. Interessant ist die Liste vor allem, weil die Behauptungen hier auch einmal begründet werden.

Weiter mit Sex: Während auf Twitter, sz.de und SPON gerade ein Video umgeht, das die Unterschiede zwischen Pornos und echtem Sex anhand von Essen erklärt, gab es auf faz.net einen etwas traurigen Text gefunden: Eine Dame schreibt, wie schrecklich sie zum Beispiel die “Ich will’s…”-Kampagne findet, weil – Achtung! – sie ja in eine Situation kommen könnte, in der sie ihren armen Kindern Sex erklären müsste.

Realsatire der anderen Art gibt es (nochmal) bei der New York Times zu lesen, wo sich einer der “Seniorkorrespondenten” des Blattes über die ganze Aufregung über den NSA-Skandal in Deutschland lustig macht. Da stehen so schöne Dinge wie “former interior minister who intimately knows the world of spying and disinformation, Schäuble” oder auch:

Germany has yet to rebuild a foundation of self-confidence which makes it possible to view challenges as tasks rather than emotional crises.

Aus dem Mund eines ehemaligen US-Botschafters. Meine Lesart: Wegen ihrer Minderwertigkeitskomplexes retten die Deutschen sich in sinnlose Wut, anstatt sich der Thematik der totalen Überwachung einmal ganz nüchtern und rational zu nähern, um sie dann als das Instrument gegen den Terror, das sie ist, zu akzeptieren.

Außerdem:

10 Dinge, die alle Eltern ihren Kindern über Behinderungen beibringen sollten fand ich wirklich interessant und ich werde versuchen, die dort gesagten Dinge in Erinnerung zu behalten. Einfach, weil es auch für Menschen ohne Kinder den Horizont etwas erweitert.

Hier dann noch ein paar schöne Bilder zu Nazis und Hollywood.

Und zum Schluss gibt’s dann noch einen Tag mit einem ebay now-Liefermann, der den ganzen Tag über für Kunden das Shopping erledigt und ihnen dann die Produkte liefert. Unterwegs ist er dabei mit öffentlichen Verkehrsmitteln und zu Fuß.

“I don’t know anyone in heaven anyway!” (Asiatische Filmempfehlungen)

Da ich dieses Semester schon einmal richtig fies krank war (so das Level, bei man die Jalousien zumacht, weil das Licht wehtut, und den Tag lang im Bett liegt, weil das Einzige, was nicht zu weit weg ist, der Wasserkocher ist), konnte ich endlich einige Filme sehen, die ich mir schon vor Ewigkeiten auf meine endlose Liste gesetzt hatte:

“Old Boy” ist wohl einer der berühmtesten koreanischen Filme und wird öfters dafür angeführt, wie in Asien Gore und Thriller umgesetzt werden. Ich kenne mich jetzt in dem Horrorbereich nicht wirklich aus, finde aber, der Film ist einfach sehr sehenswert (wenn auch leicht creepy), unabhängig vom kulturellen Kontext. Yeo Ji-Tae, der eine der beiden Hauptrollen spielt, hat auch kürzlich sein Regiedebüt “Mai Ratima” fertig gestellt – ein Film über die Probleme in der koreanischen Gesellschaft, die bei dem ganzen Gangnam Style- und K-pop – Hype meistens zu kurz kommen. Auch sehr zu empfehlen.

Sowohl den chinesischen “Caught in the Web” als auch “You are the Apple of my eye (那些年)” habe ich mir v.a. angeschaut, um mein Hörverstehen in Chinesisch mal wieder etwas auf Vordermann zu bringen. Letzterer ist einfach nur eine sehr, sehr chinesische Liebesgeschichte (nur erfolgreicher als andere), wie man sie dort immer zu sehen bekommt – boys loves girl mit viel Drumherum. Ersterer ist zumindest storytechnisch interessant – er befasst sich mit einer auf einer Kleinigkeit beruhenden Hetzkampagne von Medien und Internet gegen eine einzelne Frau und was das mit ihrem Leben anrichtet. In Deutschland mag einem das Szenario etwas merkwürdig vorkommen, in China ist es aber traurig realistisch, darum kann der Film in der Hinsicht ganz lehrreich sein. (Ich führe das in einem anderen Text nochmal weiter aus, glaube ich, ist ein größeres Thema.)

You’re the Apple of my Eye

Außerdem aus der Kategorie “Mit Freunden und Wein”:

“Lust, Caution” von Ang Lee (dessen “Life of Pi” ich mir immer noch nicht gegeben habe und es auch in naher Zukunft nicht tun werde). Der Film hatte in China wegen der “wilden” Sexszenen für Aufsehen gesorgt, weil es anscheinend zahlreiche Verletzte bei dem Versuch gab, die Szenen im eigenen Schlafzimmer nachzuspielen. Die Koreaner regten sich dagegen trefflich darüber auf, dass die nackte Dame in ebendiesen Szenen nicht unter den Armen rasiert war. Nun ja. Man sollte den Film aber nicht auf die interessanten Sexszenen reduzieren, er ist auch als Gesamtwerk sehr gut! Dass die Geschichte zwischen Hong Kong und Shanghai stattfindet (in der einen Stadt habe ich gelebt, aus der anderen kommt meine Familie), machte den Film für mich nur umso interessanter. Besonders geschichtlich nimmt man auch einiges mit – fragt euch mal, wie viel ihr auf Anhieb über die japanische Besatzung Chinas wisst. Und dann könnt ihr diesen Film gucken, um euer Gewissen zu beruhigen.

In letzter Zeit habe ich dann auch noch mehrmals die Gelegenheit ergriffen, um zwei weitere Filme von meiner asiatischen to-watch-list zu streichen:

Über Akira Kurosawas Scandal war ich, glaube ich, bei der Recherche zu meinem Paper über japanische Geschlechterrollen gestolpert, den genauen Zusammenhang weiß ich gar nicht mehr. Auf jeden Fall ist der Film alt (genauer, von 1950) und das merkt man natürlich auch – die Geschichte geht echt sehr langsam voran. Von Kurosawa als Kritik am sensationsgierigen Verhalten der Medien gedacht, schockt der Film heute in Zeiten von BILD nicht mehr wirklich, was ihn aber als kleine Zeitkapsel nicht minder interessant macht. Kurosawas Bildsprache ist wie immer sehr schön und stark und wer ein bisschen ein Auge für die Subtilität asiatischer Filme und ihrer Liebesgeschichten hat (damals noch subtiler als heute), wird auch seinen Spaß haben. Für alle Filmnerds, denen das etwas sagt: Ich wurde auch darauf aufmerksam gemacht, dass der Film im Akademieformat gedreht ist, was zu dem Zeitpunkt in Europa eigentlich schon komplett vorbei war.

Irgendwo hatte ich gelesen, dass The Thieves vor allem eine koreanische Version von Ocean’s Eleven sei. Das mag zu dem Maße stimmen, dass es um unheimlich gewitzte Diebe mit ihren ganzen besonderen Fähigkeiten geht und wie man das zu einem genialen Coup zusammenbringen kann, ABER die Vereinfachung greift m.E. dann doch viel zu kurz. Bei George Clooney und seinen Leuten geht es in meiner Erinnerung vor allem darum, wie schön man zusammenarbeitet und irgendwie ans Ziel kommt, aber die Koreaner nehmen hier eine wesentlich weniger romantische Sichtweise ein – auch, wenn die Nonchalance eines echten Gangsterfilms natürlich nicht fehlt. Es sind ein paar echt nette Actionszenen dabei (Verfolgungsjagden an koreanischen Häuserfronten!) und mir gefällt auch die kleine Reise durch die Länder der Region – Hong Kong ist Hauptschauplatz, aber auch Seoul und Busan kommen auf ihre Kosten. Japan hat leider nur einen linguistischen Auftritt, aber besser als nichts. Genau, das ist noch etwas – der Film räumt auch damit auf, die Asiaten würden sich ja alle verstehen. Sprachliche Probleme sind unvermeidlich, wenn Koreaner und Chinesen zusammenarbeiten sollen, aber wenn man den Film mit Untertiteln schaut, fällt das Hin- und Hergewechsel zwischen vier Sprachen (Chinesisch, Kantonesisch, Koreanisch, Japanisch) vermutlich nicht so sehr auf.

Man beachte den erhöhten Coolnessfaktor durch Sonnenbrillen.

Und dann gibt es noch einen Sonderkandidaten – eine Dokumentation, die gar nicht auf meiner Liste stand, mir aber von einer Freundin empfohlen wurde. The Great Happiness Space: Tale of an Osaka Love Thief beschäftigt sich mit dem Konzept der Host Clubs in Japan und berichtet vor allem aus einem bestimmten in Osaka namens “Rakkyo”. Es geht darum, wie aus Liebe und Zuneigung ein Geschäft gemacht wird, wie eigentlich alle Beteiligten wissen, worum es geht, die Frauen sich aber dennoch in Träumen verlieren, die die Männer ihnen verkaufen, während die sich so sehr auf die Interaktion mit den Frauen einstellen, dass sie gar nicht mehr wissen, wo sie selber aufhören und die Maske anfängt. Letztendlich geht es wie so oft um einsame Menschen in einer Großstadt, die irgendwie alle nach Liebe suchen. Das Tragische ist, dass es alles wahre Geschichten sind. Gleichzeitig ist es aber auch auf tragische Weise faszinierend. Die Frage ist: Kann so etwas nur in Japan durchsetzen? Oder könnte es so etwas auch in jedem beliebigen anderen Land funktionieren? Einsame Menschen gibt es immerhin überall. Irgendwie perfide wird es, wenn man daraus Kapital schlägt und diese Gefühle ausbeutet. Aber um Schuldzuschreibungen geht es in der Doku nicht – sie stellt einfach nur dar. Sehr empfehlenswert!